NEW YORK. Alles fing damit an, dass zwei pummelige junge Männer unbedingt dünner werden wollten. Als Wirtschaftsstudenten am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston dachten sie dabei in ökonomischen Kategorien. Dean Karlan und sein Freund John Romalis wetteten 10 000 Dollar darauf, dass sie in zehn Wochen 20 Kilo abnehmen können. Wer das nicht schaffen würde, sollte dem anderen einen Scheck ausstellen - über die Hälfte ihres damaligen Jahreseinkommens.Gewissenhafte KontrolleHeute, sechs Jahre später, ist Dean Karlan schlank und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Yale University. Im Januar hat er seine Studentenidee umgesetzt und ein Unternehmen gegründet, die Webseite stickK.com. Dort kann sich kostenfrei anmelden, wer auf persönliche Ziele Geld wetten will. Der Wetteinsatz will sorgfältig ausgesucht sein, denn das Geld geht im Voraus an stickK.com. Nur bei Erfolg wird es an den Nutzer zurückgezahlt. Beim Scheitern kommt es wohltätigen Zwecken zu. Vorzeitig auflösen kann man so einen Vertrag höchstens mit einem medizinischen Gutachten."Die Regeln sind strikt, damit schlechtes Verhalten teuer wird", erklärt Karlan das Konzept. Wer abnehmen will, aber einen Schokoriegel in der Hand halte, müsse sich entscheiden: Esse ich den Riegel, könnte ich mein Geld verlieren. "Der Geldeinsatz macht die tägliche Entscheidung einfacher", glaubt Karlan.5 000 Benutzer sind bereits angemeldet, sie setzen insgesamt 244 000 Dollar ein. Rund 70 Prozent von ihnen wollen mehr Sport treiben, abnehmen oder mit dem Rauchen aufhören. Der Rest hat individuelle Ziele wie Chinesisch nur noch mit Stäbchen essen, mit dem Ehepartner öfter Sex haben oder mit Ausländern langsamer sprechen. Den Erfolg prüfen Gutachter, die der Nutzer selbst bestimmt; oft sind es Freunde oder Kollegen. "Weil sie bei den guten Vorsätzen helfen wollen, tragen sie die Fortschritte gewissenhaft ein", sagt Karlan. "Dadurch steigt der Druck, sich vor ihnen nicht zu blamieren."Kevin Stokes, ein 45-jähriger Computerprogrammierer aus New York, hat auf der Webseite 1 200 Dollar darauf gesetzt, dass er in zwölf Wochen zehn Kilo abnehmen kann. "Meine Familie und Freunde haben mich zuerst für verrückt erklärt", sagt Stokes. Aber seit Jahren sei jede Diät fehlgeschlagen, weil der Druck gefehlt hatte. Auf der Webseite können seine Freunde seinen Fortschritt nachlesen - wo seine Gutachterin, die Tochter, einen Gewichtsverlust von schon fünf Kilo in den ersten Wochen notiert hat. "Mittlerweile verzichte ich auf die Kekse, die auf unserem Küchentisch liegen. Ich will ja nicht wie ein Idiot dastehen."Der Psychologe Tory Higgins, der an der Universität von Columbia über Motivation forscht, sagt, dass das Verfahren vor allem Menschen mit einem Leidensdruck helfe. Etwa Rauchern mit Angst vor Krebs, Übergewichtigen mit Angst vor Knieproblemen. "In Sorge um ihre Gesundheit müssen sie ihr Ziel erreichen. Der Geldfaktor ist ihnen dabei eine Stütze." Wer im Prinzip zufrieden sei und nur noch mehr erreichen wolle, ließe sich weniger unter Druck setzen.Die Gründer der Webseite, Dean Karlan, sein Kollege Ian Ayres und der Yale-Student Jordan Goldberg, finanzieren das Projekt selbst. Künftig wollen sie durch Werbung Gewinn machen. Und sie haben bereits weitere Ideen, um eine noch höhere Erfolgsquote zu erreichen. Eine davon ist das Konzept der "Anti-Charity". Da geht das Geld beim Scheitern an eine Wohltätigkeitsorganisation, die der Bewerber hasst. Ihre Liste enthält Vereine für und gegen das Abtreibungsrecht, gleichgeschlechtliche Ehe oder die Waffenlobby National Rifle Organization. Bis jetzt trauen sich nur 15 Prozent der Benutzer, diese Option anzuklicken.------------------------------Foto: Bei Wetten auf Gewichtsverlust sind Äpfel besser als Kekse.