Die Berliner Universitäten erhalten in den nächsten sechs Jahren eine Viertelmilliarde Euro mehr - vorausgesetzt, alle neun Anträge, die am Freitag in die Vorauswahl des Elite-Uni-Wettbewerbs gekommen sind, werden im Oktober wirklich bewilligt (siehe Berliner Zeitung v. 21./22. Januar).Die Freie Universität wird in den Medien bereits als großer Sieger gefeiert. Kein Wunder: Als einziger Berliner Universität ist es ihr gelungen, mit einem Antrag im Wettbewerbsteil "Zukunftskonzepte" zu überzeugen. Was zunächst harmlos klingt, bedeutet für die FU nicht nur 21 Millionen Euro jährlich mehr, sondern auch einen großen Image-Gewinn. Immerhin ist die kaum sechzigjährige FU nun damit für die Öffentlichkeit in die Reihe der renommierten bayerischen und baden-württembergischen Universitäten - München, Freiburg, Heidelberg oder Tübingen - vorgestoßen.Noch ist es nicht Herbst, und noch sind die Anträge nicht bewilligt (es kann durchaus dazu kommen, dass das FU-Konzept am Ende doch noch abgelehnt wird) - aber schon sieht man, was gemeint ist, wenn man von der Eigendynamik des Elite-Wettbewerbs spricht: Keiner schaut auf die 36 Universitäten, die die insgesamt 80 Graduiertenschulen und Exzellenzcluster über die erste Hürde brachten. Alles blickt auf jene zehn erwählten "Zukunftskonzepte". Warum?Christoph Markschies, der neue Präsident der Humboldt-Universität, gibt selbst die Antwort: Die Ablehnung des Konzepts der HU entscheide zwar nicht über das Leistungsniveau der ganzen Universität, "aber die Tatsache, dass ein solcher entscheidender Antrag nach Ansicht hoch renommierter internationaler Gutachter nicht die Qualität unserer Universität zum Ausdruck bringt, kann von uns allen nicht einfach hingenommen werden". Die HU hatte sich unter dem Titel "The Humboldt Research School" beworben. Sie wollte ein "einzigartiger Ort für Juniorforscher" sein. Bereits jetzt ist sie auf diesem Gebiet bundesweit führend. Aber das reichte nicht.In den nächsten Wochen muss und will die HU mit aller Kraft ein neues Konzept suchen, um sich noch in diesem Jahr für die zweite Förderrunde zu bewerben. Es könnte etwas mit dem Ort und dem Geist in der Mitte der Stadt zu tun haben. Markschies sprach bei seinem Amtsantritt von der "Universität des Mittelpunkts". Er dachte zum Beispiel an eine Zusammenführung von Natur-, Geistes- und Kulturwissenschaften in einer neuartigen "integrativen Lebenswissenschaft". Er schlug vor, Initiator eines europäischen Netzwerkes bedeutender Universitäten und Institute zu sein sowie den Dialog zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern.Es geht beim "Zukunftskonzept" also nicht allein um Geld, sondern um die einzigartige Stellung einer Universität. Was das für die FU bedeutet, erklärte am Sonntag ihr Präsident Dieter Lenzen dieser Zeitung. Die "Internationale Netzuniversität", die die Juroren als Idee überzeugte, bestehe aus "drei Säulen": Ein Zentrum für internationalen Austausch soll dazu dienen, die Dependancen der FU im Ausland zu steuern, die Lenzen so etwas wie "Wissenschaftliche Generalkonsulate" nennt. Diese sollen unter anderem Wissenschaftler und Studierende gewinnen ("brain gaining" sagt Lenzen). Ein Zentrum für Cluster-Entwicklung werde die internationale Forschung beobachten, neue Themen finden und Förderquellen ausfindig machen - um den Weg der FU zur "Internationalen Cluster-Universität" zu forcieren. Schließlich denke man an eine Dahlem Research School für den wissenschaftlichen Nachwuchs.Die FU hat bewusst und klug ihren einzigen wirklichen Vorteil ausgespielt: den der vielfältigen internationalen Kontakte, die sie schon naturgemäß hat (schließlich wurde sie einst mit Unterstützung der Amerikaner aufgebaut).Ob Uni-Präsidenten oder Senator Flierl - alle reden jetzt davon, dass es beim Elite-Wettbewerb nicht um ein Ringen der Unis gegeneinander geht, sondern um den Standort Berlin. Und wirklich: Viele Konzepte - ob des Mittelpunkts, der internationalen Netzwerke oder der innovativen Labore (wie es der TU Berlin vorschwebt) - hätten Platz in der Stadt, würden sich ergänzen.Die Juroren der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrates haben das erkannt und die Bemühungen der Berliner Unis, ihre Profile aufeinander abzustimmen, honoriert. Die erwählten Projekte - Graduiertenschulen und Exzellenzcluster - zeigen die vielfältigen Stärken Berlins: von Materialforschung und Chemie über regenerative Therapien, Mathematik für Schlüsseltechnologien und Regierungslehre bis zu den Nordamerika-Studien. Quer durch Berlin - von Adlershof bis Zehlendorf.------------------------------Foto: Bereit für den Elite-Status: in der neuen Foster-Bibliothek der FU Berlin.