SCHÖNEBERG. Ein simples Schild mit einem Rabattangebot im Schaufenster wäre für Anna Flöser nicht in Frage gekommen. So etwas machen vielleicht Schnäppchenmärkte und Billigläden. Aber nicht Anna Flöser. Die Inhaberin von "Brillen am Winterfeldtplatz" hatte eine ganz andere Idee, um Passanten auf ihr Geschäft an der Maaßenstraße aufmerksam zu machen: Auf einem großen Plakat in Flösers Schaufenster sitzt ein fröhliches Pärchen in Badebekleidung und mit Sonnenbrillen im strömenden Regen "Keine Sonne? Geld zurück?" steht darunter. Der Handel geht so: Wer bis Ende Juni bei Anna Flöser eine Sonnenbrille kauft, bekommt kostenlos eine Versicherung dazu. Es ist eine Versicherung gegen zu wenig Sonne im Sommer. Sollte die Sonne nämlich von Anfang Juni bis Ende September weniger als 500 Stunden scheinen, erhalten alle Kunden, die ihre Sonnenbrille bei Anna Flöser gekauft haben, ihr Geld zurück. Die Brille dürfen sie trotzdem behalten. So lautet der Vertrag. Den Versicherungsbeitrag zahlt Anna Flöser. Ihren Kunden könnte dieses Angebot sicher gefallen. Denn für manche Brillenmodelle von Prada oder Versace zahlen Modebewusste schon mal bis zu 220 Euro. Und es wäre doch wirklich schade, wenn man auf Grund von zu wenig Sonnenschein die teuren Modelle nicht ausgiebig den Mitmenschen vorführen könnte. Als Entschädigung für schlechtes Wetter bekäme man wenigstens den Kaufpreis zurück. Das Ganze ist natürlich ein Werbegag. Weder die Ladeninhaberin noch die holländische Versicherungsagentur Sir Huckleberry, die diese Versicherung anbietet, gehen dabei ein großes Risiko ein. Ist es doch ziemlich unwahrscheinlich, dass die Sonne zwischen Juni und September weniger als 500 Stunden scheinen wird. "So etwas gab es bei uns in den letzten Jahrzehnten nicht", sagt Uwe Kirsche. Er ar-beitet beim Deutschen Wetterdienst in Frankfurt am Main. Dort sind alle Wetterdaten seit 1951 ar-chiviert. Laut dieser Statistik sahen die Deutschen im Jahr 1980 nur genau 648 Stunden Sonnenschein im gesamten Zeitraum von Juni bis September. Und im Jahr 1987 schien die Sonne sogar nur 629 Stunden. Der langjährige Mittelwert für die vier Sommermonate liegt bei 753 Stunden. Trotzdem könne man aber nicht hundertprozentig ausschließen, dass die Sonne in diesem Jahr weniger als 500 Stunden scheint, sagt Uwe Kirsche. So etwas lasse das Klima zu. "Es könnte theoretisch dauerhafte und schwerste Bewölkung herrschen", so der Meteorologe. Für solche schlechten Wetterprognosen will Anna Flöser nun aber auch nicht verantwortlich sein. "Ich hoffe natürlich auf einen schönen Sommer", sagt sie. Und: Man dürfe diese Versicherung nicht so ernst nehmen. "Kein Kunde glaubt wirklich ernsthaft daran, sein Geld zurückzuerhalten."------------------------------Gegen Benzinwucher und Kidnapping // Knut K. Eicke, deutscher Un- ternehmer, gründete vor 19 Jahren die Agentur Sir Huckleberry Insurance Company. Für einen Beitrag ab zwölf Euro kann man sich gegen Misslichkeiten des Lebens versichern lassen. Versicherungsschutz wird gewährt gegen Kidnapping durch Außerirdische, die Auflösung der Lieblingsband, gegen Benzinwucher, Dauererektion, Steckenbleiben im Fahrstuhl, Bigamie in der Ehe, Hereinfallen auf die "Versteckte Kamera".Die Versicherung mit Sitz in Amsterdam vertreibt im Internet etwa 50 ungewöhnliche Spaß-Policen. Auf Werbung verzichtet die Agentur. Im Internet: www.sirhuckleberry.com------------------------------"Es könnte theoretisch dauerhafte und schwerste Bewölkung herrschen." Uwe Kirsche, Deutscher Wetterdienst------------------------------Foto: Keine Sonne? Dann will Anna Flöser (r.) ihren Kunden das Sonnenbrillengeld zurückgeben.