Eine Ergänzung: Siegfried Höchst

Siegfried Höchst (geboren am 26. Juli 1939) ist nach dem Studium an der Staatlichen Schauspielschule Berlin (heute "Ernst-Busch"-Hochschule) 1962 sogleich von Wolfgang Langhoff ans Deutsche Theater verpflichtet worden, dem Traumziel aller jungen Mimen. Er hat in Langhoffs Inszenierung von Peter Hacks "Die Sorgen und die Macht", die zu Langhoffs Abberufung führte, den jungen Parteisekretär gespielt und danach in der spektakulären "Frieden"-Inszenierung von Benno Besson. Er hat das Haus indes schon nach zwei Jahren wieder verlassen, um in Potsdam die wirklich "großen" Rollen zu spielen.Er war noch nicht 30, aber schon Don Juan und Richard II. , Cyrano de Bergerac und Azdak, inszenierte "Minna von Barnhelm" mit Carmen-Maja Antoni und Thomas Langhoff. 1969 ans DT zurückkehrend, spielte er bei Adolf Dresen (u. a. den Clavigo) und inszenierte mit Horst Sagert Garcia Lorcas "Do a Rosita bleibt ledig", das war 1971 und der Durchbruch. Eine Inszenierung von Hauptmanns "Ratten" musste ein Kollege übernehmen, die sein weiteres Leben bestimmende (Alkohol)Krankheit kündigte sich an, überschattete die folgenden Engagements in Rostock und Schwerin, Erfolge wechselten jäh mit Abstürzen. Bis die DDR-Theaterlegende Gerhard Meyer ihn in ein Sanatorium schickte und Siegfried Höchst 1980 an sein Theater in Karl-Marx-Stadt holte. Unter Meyers väterlicher "Aufsicht" hatte Höchst seine produktivste Zeit, inszenierte Brecht (Mutter Courage, Dreigroschenoper) und machte aus sperriger DDR-Dramatik spektakuläre Erfolge (Wendts "Dachdecker", Groß "Denkmal"). Ob es therapeutisches oder pädagogisches Kalkül war: Meyer besetzte Höchst in zwei seiner Inszenierungen (Gorkis "Kleinbürger", Wampilows "Entenjagd") mit den Rollen von Trinkern, die zu faszinierenden, in ihrer Transparenz wie ihrer Hintergründigkeit zugleich begeisternden wie erschreckenden Studien menschlicher Tragik gerieten. Durch den (Fortsetzung auf Seite 12).(Fortsetzung von Seite 11) Erfolg in der "Provinz" wieder nach Berlin gelockt, gelangen Höchst noch einige wichtige Inszenierungen, etwa "Optimistische Tragödie" und "Meister und Margarita" (Volksbühne) oder "Ein Tag länger als ein Leben" von Aitmatow/Plenzdorf (Maxim Gorki Theater), doch ohne den Beistand eines Gerhard Meyer gewann der Alkohol wieder Gewalt über ihn.Als Schauspieler wahrscheinlich ein Naturtalent, war er als Regisseur ein Besessener, der die "Wahrheit" in den Menschen und hinter den Verhältnissen beharrlich herauszufinden suchte, dabei ein unbedingter Perfektionist, der aber nie auf Dressur, sondern immer auf den Spaß setzte, den er auch dem Publikum vermitteln wollte. Siegfried Höchst hat auf der Bühne und für die Bühne alles gegeben, schonungslos mit letztem Einsatz gespielt - bis er keine Reserven mehr fürs eigene Überleben fand.Der Theaterkritiker Martin Linzer war bis 1999 Herausgeber des Fachblattes "Theater der Zeit", für das er seit 1953 tätig ist.