FLENSBURG, 3. August. Countrymusik ist nicht unbedingt Pop. Eine Westernband, meterlange Gestecke von Sonnenblumen, ein Jahrmarkts-Schaukelpferd mitten auf der Bühne, launige Kurzfilme und ein Pop-Song von Queen zum Abschied ergeben aber doch eine poppige Trauerfeier. "Pop für eine Powerfrau", befand denn auch ein junger Mann, der am Freitagnachmittag das Abschiedsfest für Beate Uhse im Deutschen Haus in Flensburg besuchte.Ein fröhliches Fest in ihrer Heimatstadt hatte sich die Erotik-Unternehmerin, die am 16. Juli starb, gewünscht. Sie lebte seit 1945 in Flensburg; unweit des Deutschen Hauses liegt das "Sex-Eck", die Zentrale der weltgrößten Erotik-Versand-AG. Mehr als 1 000 Gäste kamen nun auf Einladung der Firma zur öffentlichen Trauerfeier, hörten dabei allerlei "Take me Home" und "Mary Lou" der Countryband Tennessee, sahen die bis zuletzt aktive und immer schlagfertige Beate Rotermund-Uhse auf Großleinwänden: Sie, die unerschütterliche Flachschuhträgerin, sprach dort wie immer von ihrer flotten Firma, von ihrem ganz normalen Versandgeschäft und ihrem Leben als pedantische Unternehmerin.Von der furchtlosen Frau sprachen indes viele Besucher. Einige mühten sich ein wenig mit der Form der poppigen Trauerfeier, betonten aber stets, wie bemerkenswert Beate Uhse gewesen sei. Das biblische "Glaube, Liebe, Hoffnung" hatte eine Frau auf ein lebensgroßes Bild Uhses im Foyer geschrieben, andere Besucher dieser durch und durch weltlichen Feier erinnerten schriftlich an die nimmermüde Gesellschaftsreformerin, die Frauenrechtlerin, an die "Ikone der Erotik" und die Internationalität ihres Geschäfts: "Love unlimited".So auch der Aufklärungspionier Oswalt Kolle. Immer wieder musste er für Fotografen an der Fotostellwand posieren, auf der er Beate Uhse als "Freundin und Mitkämpferin" ehrte. Von "beneidenswerter Naivität" sei sie gewesen, sagte Kolle, der mit ihr diverse Bücher veröffentlicht und zig Talkshows bestritten hat. Ihre Zusammenarbeit begann vor dreißig Jahren, nachdem sie einmal in einem ihrer Unzucht-Prozesse gesagt hatte, "der Kolle darf alles, und ich darf nichts".Das freilich änderte sich. Alsbald erhielt sie auch in Flensburg die nötige Anerkennung, durfte in den Tennisclub, zahlte die meisten Gewerbesteuern, trug sich 1999 zu ihrem 80. Geburtstag in das Goldene Buch der Stadt ein. Zur geplanten Verleihung des Bundesverdienstkreuzes kam es dagegen nicht mehr. Beate Uhses Auszeichnungen blieben branchenintern: "Venus Award" 1997, "Prix Hot d Or Honneur" 2000. Im Norden wiederum wurde sie als offene und bescheidene Mitbürgerin geschätzt. Das zeigte sich im sehr gemischten Publikum. Am Eingang konnten die Besucher Uhse-Aktien für je einen Euro kaufen, manche taten es."Flensburg hat seine bekannteste Persönlichkeit verloren und Schleswig-Holstein seine bedeutendste Unternehmerin", sagte der Wirtschaftsminister des Landes, Bernd Rohwer. Doch die Marke bleibe, der Name Beate Uhse sei nicht wegzudenken aus der Stadt. Verhalten klang in den Trauerreden dennoch die lokale Sorge durch, dass die mächtige AG den Geschäftssitz verlegen könnte.Uhse selbst verneinte das in einem der Gespräche, die postum auf Großbildschirmen im Saal zu sehen waren: Alles wird bleiben, wie es ist, sagte sie da. Ganz pragmatisch auch ihre Ausführungen über das Erbsenernten und das Erbsenzählen als Firmenchefin - immer fand sie punktgenau das Mängelexemplar im Versand. Raunen und verhaltenes Lachen im Saal, in dem schließlich auch die Belegschaft der Versandhandelspackstraße vom Flensburger "Sex-Eck" anwesend war. Dann jedoch flimmerte eine Über-den-Wolken-Kamerafahrt über die Schirme, ohne erdige Countryklänge, dafür mit einem schmachtenden Freddie Mercury. Einziger Untertitel: Farewell Beate.