Seit einigen Jahren besteht der Verdacht, dass die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) zur Entstehung von autistischen Störungen beiträgt. Die Ergebnisse einer großen dänischen Studie deuten nun darauf hin, dass diese Befürchtung unbegründet ist. Veröffentlicht wurde die Studie jetzt im New England Journal of Medicine (NEJM).Forscher des Danish Epidemiology Science Center in Arhus und Kopenhagen hatten alle Kinder der Geburtsjahrgänge 1991 bis 1998 in ihre Untersuchung aufgenommen. Bei den dänischen Gesundheitsbehörden erfragten die Mediziner um Keersten Madsen deren Impfstatus. Vom Psychiatrischen Zentralregister holten sie Informationen zu Autismus-Fällen ein.Von den rund 540 000 erfassten Kindern waren vier Fünftel gegen MMR geimpft worden. Bei ihnen entwickelten sich autistische oder Autismus-ähnliche Entwicklungsstörungen jedoch nicht häufiger als bei den ungeimpften Kindern. Im Gegenteil: Das relative Risiko für solche Erkrankungen lag bei den Impflingen sogar leicht - wenn auch nicht signifikant - unter dem der nicht geimpften Gruppe.Mit ihren Ergebnissen treten die dänischen Mediziner Vermutungen entgegen, wonach vor allem die im MMR-Impfstoff enthaltenen abgeschwächten Masernviren das Autismus-Risiko steigern. Dieser Verdacht war in den vergangenen Jahren hauptsächlich durch drei Beobachtungen genährt worden. Zum einen ist die Zahl der als autistisch diagnostizierten Kinder in den letzten 20 Jahren deutlich angestiegen. Zwar wurde die Masern-Impfung bereits vor etwas mehr als 30 Jahren eingeführt; ein Zusammenhang war dennoch nicht auszuschließen.Zum anderen zeigen sich die ersten Symptome autistischer Störungen häufig im zweiten oder dritten Lebensjahr - also kurz nachdem die meisten Kinder ihre erste Masern-Impfung erhalten haben. Für die Eltern drängt sich daher die Impfung, die in Deutschland ebenso wie in Dänemark vom fünfzehnten Lebensmonat an verabreicht wird, als Erklärung geradezu auf. Edward W. Campion, einer der Herausgeber des NEJM, spricht dagegen von einem "vorhersehbaren Zusammentreffen" beider Ereignisse.Die dritte Beobachtung bezieht sich auf einzelne Kinder, bei denen sich kurz nach der Masernimpfung Entwicklungsstörungen und Magen-Darm-Beschwerden bemerkbar machten. In einer Studie ließen sich Masern-Viren im Dünndarm von Kindern nachweisen, die unter Magen-Darm-Symptomen und Entwicklungsstörungen litten. Bei Kindern, die lediglich Magen-Darm-Beschwerden hatten, traten die Viren nicht auf.Hinweise darauf, dass die Impfung nicht zu den Ursachen zählt, gab es schon vor Erscheinen der dänischen Studie. Neben kleineren Studien zählt dazu auch ein Bericht, den Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts im vergangenen Jahr im Bundesgesundheitsblatt veröffentlichten. Darin werden die von 1995 bis 1999 aufgetretenen Nebenwirkungen der Masernimpfung aufgelistet. Diese sind in Deutschland seit 1988 meldepflichtig. Fälle von Autismus oder entzündlichen Darmerkrankungen wurden im Untersuchungszeitraum nicht gemeldet.NEJM, Bd. 347, S. 1477.Bundesgesundheitsblatt 10, 2001, S. 981"Geimpfte Kinder erkranken nicht häufiger als nicht geimpfte Kinder. " Keersten Madsen

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