Berlin eine Stadt der Berge zu nennen, auf diese Idee würde wohl kaum jemand allen Ernstes kommen. Tatsächlich aber gibt es in Berlin rund 140 Hügelchen und Erhebungen. Nicht alle sind auf natürlichem Wege entstanden, einige verdanken ihre Existenz vielen fleißigen Händen, die nach dem Krieg die Trümmer aufschichteten. So richtig hoch ist kein einziger Berliner Berg, aber immerhin sechs erheben sich hundert Meter und mehr über den Meeresspiegel. In loser Folge stellen wir Berliner Berge vor; die berühmten, aber auch die weniger bekannten. Heute: der Insulaner.----Höhe: 75 Meter.Lage: Zwischen Munsterdamm und Prellerweg, wo Schöneberg an Steglitz grenzt.Verbindung: S-Bahnhof Priesterweg, kurzer Fußweg.Den Namen haben sich zwei Schulklassen ausgedacht. Damit gewannen sie 100 Mark bei einem Preisausschreiben, an dem sich vor 53 Jahren 180 Schöneberger Klassen beteiligten. Am 11. August 1951 wurde der Berg dann offiziell Insulaner getauft. Vor hunderten Berlinern hielt Schönebergs Bürgermeisterin Ella Barowsky (FDP) die Festansprache. Sie bemühte sich, den Zuhörern den neuen Namen schmackhaft zu machen. Der Volksmund hatte dem Berg nämlich längst einen eigenen Namen gegeben: Mont Klamott. Denn ab 1946 waren auf der Fläche am Südgelände, die damals noch der Deutschen Reichsbahn gehörte, die Trümmerloks gefahren. Fünf Jahre lang brachten sie den Schutt aus der zerbombten Stadt heran, 1,5 Millionen Kubikmeter. Trümmerfrauen entluden die Loren, Arbeiter formten mit Spaten, Schippen und manchmal auch mit bloßen Händen den wachsenden Berg.Trotz anfänglichen Widerstands fand dessen offizieller Name schnell Eingang in den Sprachgebrauch. Denn er widerspiegelte das Lebensgefühl der West-Berliner nach der Blockadezeit. Insulaner - das hatte in der Stadt einen guten Klang. Schließlich gab es die beliebte Kabarett-Truppe "Die Insulaner", die im Radiosender RIAS regelmäßig zu hören war. Das Lied von Edith Schollwer "Der Insulaner verliert die Ruhe nicht" war zu einer Hymne der West-Berliner geworden.An die "Taufe" erinnert ein Gedenkstein dicht unterhalb der Bergspitze. Er stammt aus einem zerstörten Flügel des Schöneberger Rathauses. Auf der linken Seite ist ein Adler eingemeißelt, der eine Schlange in den Fängen hält, rechts steht, wie der Trümmerberg entstand. Dass der Insulaner eine künstlich geschaffene Anhöhe ist, sieht man heute nicht mehr. Asphaltierte Wege führen zwischen Bäumen zum Gipfel, Spaziergänger und Jogger kreuzen den Weg. Auf der Bergspitze kann man zu den Sternen schauen, denn seit 1963 steht dort die Wilhelm-Foerster-Sternwarte. Und am Fuß des Berges befindet sich seit 1965 das Planetarium der Sternwarte. Wer weder Berge noch Sterne, dafür aber Wasser mag, ist am Insulaner richtig. An warmen Tagen lädt das Sommerbad ein. (el.)------------------------------Karte: Der Insulaner