VIEQUES, im Juni. "Warum gibt es hier keine Vögel, Papa?" fragt der sechsjährige Urayoan Connelly seinen Vater. Die beiden laufen über einen von Kratern übersäten Platz. Sie sind auf dem Weg durch die Bombenabwurfzone der US- Kriegsmarine auf der kleinen Insel Vieques, um Demonstranten in einem Zeltlager Lebensmittel zu bringen. "Das fragen wir uns alle", antwortet der Vater. Eine Stunde später wird er von der US-Marine festgenommen. Der Grund: Eindringen in militärisches Sperrgebiet. Pablo Connelly muß sich nun vor einem Bundesgericht verantworten und mit sechs Monaten Haft rechnen.Vieques gehört zu dem karibischen Land Puerto Rico, das mit den USA assoziiert ist. Seit die Marine die Insel 1941 einnahm, darf sich die Bevölkerung nur noch auf einem Drittel des Gebiets frei bewegen, der Rest ist militärisches Sperrgebiet. "Es wird sich noch herausstellen, wer hier der Stärkere ist", sagt Connelly. Er werde sich nicht vom Kampf für eine sichere und gesunde Zukunft seiner Kinder abbringen lassen. Hundert Demonstranten kampieren seit zwei Monaten im Sperrgebiet, seit dem Tag, als ein ziviler Wachmann ums Leben kam, weil eine Militärmaschine eine Bombe falsch abwarf. Unterstützung durch die KircheNur Minuten nach der Festnahme Connellys verbreiteten die Einwohner von Vieques die Nachricht im Internet und brachten dem Protest gegen die Militäreinrichtungen neuen Zulauf in Puerto Rico. Neben bekannten politischen Aktivisten, wie dem unabhängigen Senator Ruben Berrios, nehmen auch Gewerkschaften, Kirchenmitglieder und Umweltgruppen an der Bewegung teil.Schon Ende Mai erbauten Gewerkschafter in der Bombenabwurfzone eine kleine Kapelle, die mit einer ökumenischen Feier eingeweiht wurde mehr als 300 Menschen kamen in die gesperrte Yayibucht, um zu beten. "Wir von der Kirche sind der Meinung: Die Navy muß raus aus Vieques", sagt der katholische Priester Hilario Sanchez, der die Einweihungspredigt hielt. Auch Alvaro Corrada, der katholische Bischof von Rio de Caguas, in dessen Diözese Vieques liegt, unterstützt die Bewegung. "Die Diözese wird an ihrer friedlichen Protesthaltung festhalten, bis die Militärübungen eingestellt werden und die Einwohner ihre Insel wiederhaben", erklärt Corrada. Das Ausmaß der Umweltzerstörung auf Vieques ist kaum abzusehen, da es noch keine offiziellen Studien über das Sperrgebiet gibt. Der Umweltschützer Neftali Garcia, der seit mehr als 20 Jahren die Auswirkungen der Militärmanöver auf die Flora und Fauna untersucht, nutzt die Besetzung des Sperrgebietes, um mit Ökologen aus den USA Boden- und Wasserproben aus der Bombenabwurfzone zu entnehmen. Erste Ergebnisse zeigen eine schwere Verseuchung: Im Sand lagern Giftstoffe, Lagunen sind ausgetrocknet und Riffe zerstört.