Farbige Strukturtapete, Goldbordüren, goldgerahmte Bilder und Ornamente in allen Fluren - die Beschreibung liest sich wie aus einem Einrichtungskatalog für Gutverdienende. Dabei ist das Ganze für ein Obdachlosenheim in Schöneweide gedacht, in dem zurzeit 30 Männer leben. Die Bewohner, die zwischen 36 und 65 Jahre alt und meist alkohol- und psychisch krank sind, kommen in den Genuss einer ungewöhnlichen Kunstaktion. "Reichtum 2" heißt das Vorhaben der 42 Jahre alten Konzeptkünstlerin Miriam Kilali, die das Haus Schöneweide an der Michael-Brückner-Straße 3 zum "schönsten Obdachlosenheim der Welt" machen will. "Ich will den Leuten ein neues Lebensgefühl vermitteln", sagt sie. Dazu gehören nicht nur neue Farben, sondern auch eine neue Einrichtung - finanziert aus Spenden. Geschätzte Kosten: 130 000 Euro.Die Idee für das Projekt kam der Künstlerin vor einigen Jahren. Sie habe damals ehrenamtlich in einem Obdachlosenheim in Berlin gearbeitet, sagt sie, und die Hoffnungslosigkeit der Bewohner als "besonders bedrückend" empfunden. Deshalb wollte sie den Menschen ein schönes Wohngefühl verschaffen und ihnen auf diese Weise auch Würde und Respekt entgegenbringen.Eigentlich sollte das "schönste Obdachlosenheim" gleich in Berlin gestaltet werden. Doch dann musste ihr Mann beruflich nach Moskau, und so machte sich die Künstlerin in der russischen Metropole ans Werk. Mit Hilfe von Spendern und Sponsoren - darunter auch die Deutsche Botschaft - wurde das erste "Reichtum"-Haus errichtet. Das war vor zwei Jahren. "Es gab damals Bedenken, dass die Bewohner das Schöne nicht schätzen können und alles kaputt machen würden", erinnert sich Kilali. Nichts davon sei eingetreten. "Auch zwei Jahre später ist noch nichts weggekommen, und die Tische haben nicht mal einen Kratzer." Und die 80 Bewohner des neuen Hauses fühlten sich besser als zuvor.So weit ist es in Schöneweide zwar noch nicht - die Arbeiten haben gerade erst begonnen. Doch Veränderungen sind bereits sichtbar: Roland Nieß, der seit April 2006 im Haus lebt, hat seinen Bodenbelag durch Laminat ersetzt bekommen, jetzt wartet er auf ein großes goldgerahmtes Wandbild, das ein Foto von Venedig zeigt. "Das Motiv hab ich selbst ausgesucht." Die Umgestaltung des Heimes, sagt er, sei "eine ganz gute Idee".Die Beteiligung der Bewohner ist Prinzip bei "Reichtum". Heimleiterin Edeltraut Hörnschemeyer lobt das Projekt ausdrücklich. "Die Grundversorgung von Obdachlosen ist sehr wichtig", sagt sie. Es sei aber fast ebenso wichtig, für diese Menschen eine Umgebung zu schaffen, "in der sie gesunden können". Als die Bewohner im Mai erstmals über das Vorhaben informiert wurde, seien einige sehr neugierig gewesen, andere allerdings auch skeptisch. "Sie waren sich nicht sicher, ob sie das auch alles behalten dürfen." Sie dürfen.Bis Weihnachten solle die Umgestaltung fertig sein, sagt Hörnschemeyer, und "ich freue mich schon sehr darauf". Demnächst werde der Eingangsbereich gestaltet - in venezianischem Stil mit Terracotta-Fliesen und heller Strukturtapete an der Wand.Vor einem Dreiviertel Jahr hatte Miriam Kilali ihr erstes "Reichtum"-Haus auf einem Kongress der evangelischen Obdachlosenhilfe in Berlin vorgestellt. "Ich fand das toll", erinnert sich Hermann Pfahler, Referent für die Wohnungslosenhilfe bei der Diakonie, zu der das Haus Schöneweide gehört. Spender gebe es bereits, allerdings würden noch Sachspenden benötigt. "Wir suchen noch Möbel, Lampen und Tapeten", so Pfahler. Er sei überzeugt, dass das Ganze ein Highlight für die Bewohner werde. Reichtum bedeute eben nicht nur, Geld zu haben. Reichtum sei auch in den Menschen vorhanden. "Und vielleicht entdecken den die Bewohner in ihrem neuen Heim wieder."------------------------------Weitere Infos unter www.miriamkilali.com------------------------------Foto: "Ich will den Menschen ein neues Lebensgefühl vermitteln." Miriam Kilali, Künstlerin