Nachdem auch Inge Meysel eine Unterschrift für Gregor Gysi geleistet hatte, schien der Durchbruch für die PDS endlich gelungen zu sein: In der Öffentlichkeit als eine normale Partei wahrgenommen zu werden, für deren Seriosität charmante Schwiegersohntypen wie Gregor Gysi einstehen. Da auch Magdeburg trotz Tolerierung noch steht, will Gerhard Schröder dem Schweriner SPD-Landeschef Ringstorff nun auch keine Vorschriften mehr bezüglich einer möglichen Koalition mit der PDS machen. Die Lektüre der Details in den jetzt bekanntgewordenen PDS-Verhandlungspapieren müßte jedoch in der bereits siegestrunkenen Bundes-SPD zu Ernüchterung führen. Denn anders als die unscharfe PDS-Wahlpropaganda von "Gerechtigkeit" und "Bändigung des Kapitalismus" machen die Schweriner PDS-Forderungen deutlich, wie in einer einflußreichen Funktionärsschicht noch gedacht wird, obwohl eine Regierungsbeteiligung ansteht: Triefende Ost-Identität, Staatsfixierung, offenes Ressentiment gegen das "Westdeutsche". Neu daran ist nur, daß dies vielleicht in wenigen Wochen zum Grundton für eine Koalitionsvereinbarung gerät, nach der in Mecklenburg-Vorpommern regiert werden soll. Inhaltlich ist das meiste bekannt. Aber auch die Fünf-Mark-Benzin-Forderung der Grünen stand jahrelang unbeachtet im Programm. Bis sie Realität zu werden drohte.