Urlaub - je sommerlicher es draußen wird, umso schwerer fällt es, an etwas anderes zu denken. Also schnell den nächsten Flug buchen und Koffer packen, dann steht dem Träumen unter Palmen nichts mehr im Wege. Oder doch? Wer sich effektiv erholen möchte, sollte an mehr denken als das günstigste All-Inclusive-Schnäppchen. Wir geben Tipps, wie die Ferien vom Job wirklich zur Erholung werden.Ein Urlaub sollte in erster Linie Entspannung bringen, denn schließlich wollen wir uns ja vom Stress in Büro und Betrieb ausruhen. Doch statt in den Leerlauf zu schalten, verplanen wir oft jeden Ferientag, weiß Götz Mundle, habilitierter Chefarzt der Oberbergkliniken Berlin-Brandenburg. In seinen Therapiesitzungen trifft er regelmäßig auf Menschen, die es gänzlich verlernt haben abzuschalten. Während die jüngere Generation mit dem enormen Stresspegel aufwächst, schlügen die hohen Anforderungen besonders älteren Menschen oft auf die Gesundheit, sagt er.Um damit besser umgehen zu lernen, hat er einen scheinbar einfachen Tipp: sich täglich eine Auszeit nehmen, dem eigenen Atem lauschen und geistig abschalten. Dieser Meinung ist auch Anne Katrin Matyssek. Die Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und Stressbewältigungstrainerin vermittelt müden Arbeitnehmern, wie sie aus dem Arbeitsalltag abschalten können. "Viele erwarten, dass sich die Erholung nur mit Feierabend oder Urlaubsbeginn einstellt." Doch solle das Relaxen als Kontrasterlebnis zum Beruf verstanden werden, betont Matyssek. Wer sozial isoliert am PC arbeitet, muss abends unter Menschen gehen.Der "Urlaub im Kopf" fängt im Kleinen an -in der Mittagspause, nach dem Feierabend, am Wochenende. "Kurztrips sind ideal, um den Akku aufzuladen", rät Matyssek. Den Jahresurlaub ersetze das aber nicht. Doch wie sollte die berufliche Auszeit aussehen? "Man sollte sie weder abrupt beginnen noch so enden lassen", rät Matyssek. Klar, man will keine Zeit verlieren, aber direkt nach dem letzten Arbeits- oder Schultag in die Ferien zu starten, bringt weiteren Stress. Mindestens ein freier Tag davor und danach seien ideal.Für viele Arbeitnehmer beginnt der Stress schon vor der Abreise -mit dem Chef. Nicht selten will dieser bereits genehmigten Urlaub rückgängig machen. "Diese Möglichkeit hat er nicht", beruhigt Martin Hensche, Anwalt für Arbeitsrecht. Auch bei der Terminierung hat nicht allein er das Sagen. Laut Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) sind die Wünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen. Liegen dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen vor, können Ausnahmen eintreten.Darf der Chef den bereits gebuchten Urlaub also doch streichen? "Der Arbeitgeber müsste triftige Gründe angeben, die einem Urlaub zu dem vom Arbeitnehmer gewünschten Zeitraum entgegenstehen", erklärt Hensche. Ein solcher Grund könnten eine vorübergehende hohe Auftragslage sein. Tritt ein solcher Ausnahmezustand ein, ist der Arbeitgeber allerdings zur Entschädigung verpflichtet.Endlich am Urlaubsziel angekommen, durchleben wir verschiedene Phasen der Erholung. Die ersten Tage seien oft von einer innerlichen Unzufriedenheit geprägt, weiß Mundle: Die Gedanken sind noch bei der Arbeit, die Umstellung verwirrt, Müdigkeit macht sich breit. Erst danach beginnt der Erholungsprozess. "Bis sich Schlafqualität, Blutdruck und Stresspegel normalisieren, sind mindestens zwei Wochen nötig", sagt Mundle. Addiert man An- und Abreise dazu, wären drei Wochen dienlicher. Theoretisch kein Problem, denn laut BUrlG stehen deutschen Arbeitnehmern gesetzlich vier Wochen Ferien zu.Damit liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich gerade einmal im Mittelfeld. Die meisten EU-Kollegen bekommen mehr Urlaub: In Finnland oder Frankreich sind gesetzlich 30 Tage vorgeschrieben. In der Realität ziehen deutsche Arbeitnehmer allerdings damit gleich, denn die meisten Tarifverträge sehen ebenfalls 30 Tage vor, fand die Unternehmensberatung Mercer heraus. Auch können deutsche Tarif- und Arbeitsverträge eine Erhöhung des Urlaubsanspruchs in Abhängigkeit von der Betriebszugehörigkeit vorsehen.Aber Achtung: "Solche Tarifvorschriften sind gerichtlich als unzulässige Altersdiskriminierung bewertet worden, jedenfalls dann, wenn sich die tarifliche Erhöhung in der Altersspanne von 20 bis 35 Jahren auswirkt", warnt Hensche. Dies entschied unter anderem das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf in einem Urteil vom 18. Januar dieses Jahres. Anders sehe es bei verlängertem Jahresurlaub zugunsten der über 50-Jährigen aus, da dies mit ihrer nachlassenden Arbeitskraft begründbar sei.Bei einer einmonatigen Auszeit können die Meinungen von Arbeitnehmer und -geber schnell auseinandergehen. Doch "wenn der Arbeitnehmer einen vollen Urlaubsanspruch hat, kann er auch vier Wochen am Stück verlangen", erklärt Hensche. Demnach bestimmt er, und nicht der Arbeitgeber, Zeit und Dauer der Jobauszeit. Das BUrlG unterstützt dies, da eine Stückelung dem Erholungszweck der Ferien vom Job widerspreche.Doch oft machen wir uns eben diesen zunichte. "Wir neigen dazu, uns den Urlaub genauso stressig zu machen, wie unser Berufsleben ist", sagt Matyssek. Statt jeden Tag vorab zu verplanen, sind Ruhetage zweckmäßiger. Körperliche Aktivität sollte hingegen nicht fehlen. Studien belegen, dass der Erholungseffekt dann länger andauert. Keinesfalls zu empfehlen: Smartphone oder Laptop mitnehmen, um Berufliches zwischendurch zu erledigen. "Ist man dauerhaft erreichbar, ist auch das Gehirn auf Aktivität gestellt. Erholung ist kaum möglich." Macht der Beruf ein längeres offline sein unmöglich, empfiehlt er, eine bestimmte Zeit festzulegen, in der man Geschäftliches erledigt und für Kollegen erreichbar ist. Die rechtliche Seite ist da rigoroser: "Ein Urlaub mit der Maßgabe, das Blackberry gefälligst angeschaltet zu lassen und mindestens einmal pro Tag seine E-Mails zu kontrollieren, ist kein Urlaub, sondern eine gesetzeswidrige Trickserei", sagt Hensche.Wer von sich weiß, dass er das Smartphone nicht ausschalten kann, sollte vielleicht über Reiseziele nachdenken, in denen es keinen Empfang gibt.------------------------------Urlaub nach FeierabendAnne Katrin Matysseks CD und das Begleitheft "Abschalten lernen in drei Wochen" erklärt, warum wir die Arbeit -nicht nur gedanklich -mit nach Hause nehmen. Zahlreiche Tipps können dabei helfen, den Kopf wieder frei zu bekommen.Feste Rituale, die den Feierabend einläuten sind so wichtig wie Sekunden-Pausen am Arbeitsplatz. Innerhalb von drei Wochen lernen die Hörer Ruhe zu schätzen, Freizeit und Arbeit zu trennen und mit Krisenzeiten leichter umgehen zu können. Wöchentliche Aufgaben verfolgen jeweils ein bestimmtes Ziel.Abschalten lernen in drei Wochen - Wie Sie Ihre Erholungsfähigkeit erhalten oder wiedergewinnen. Anne Katrin Matyssek, 24,95 Euro.www.abschalten-lernen.de------------------------------Foto: Alle Viere von sich strecken und an nichts weiter denken -so geht Urlaub.