Eine Schädlingsexpertin über Berliner Schaben: Kakerlaken mögen Plattenbauten

Frau Klasen, wir sind beunruhigt: In Bernau kämpft man gerade mit einer Kakerlaken-Plage, könnte uns in Berlin so etwas auch passieren?Was heißt passieren? Ich behaupte, dass es in Berlin bereits flächendeckend Schaben gibt. Die gab's immer, die wird's immer geben. Davon, dass es mehr geworden sind, ist uns aber nichts bekannt. Außerdem kommen die Schaben ja nicht überall in Massen vor, auch wenn einige Lokalitäten schlimmer betroffen sind als andere.Bitte warnen Sie uns.Die kommen gerne überall mal vor, wo es schön warm ist und es ausreichend Futter gibt. Also zum Beispiel in Schwimmbädern, Lebensmittellagern, Restaurantküchen. Und es gibt auch Wohnblocks voller Schaben.Gibt's Stadtteile, in denen besonders viele wohnen?Das Problem existiert überall in dichtbesiedelten Gebieten, in denen es Restaurants und Lebensmittelgeschäfte gibt. Wohnheime sind ein weiteres großes Problem.Das klingt überhaupt nicht beruhigend. Drohen uns denn so Kakerlakensorgen wie in den USA? In New York sind die Viecher ja überall.Nein, nein. Wir haben hier ja ganz andere Häuser. In den USA baut man viel mit Holz, und in den Gebäuden gibt es etliche Ritzen, in die sich die Kakerlaken zurückziehen können. Das ist übrigens auch ein Problem der Plattenbauten im Osten. Dort gibt es viel mehr Versorgungsschächte und Hohlräume als in Mietshäusern im Westen.In Amerika sieht man ja auch oft riesige Schaben. Die gibt's hier hoffentlich nicht?Hier ist die deutsche Schabe am meisten verbreitet, und die ist recht klein: ein bisschen länger als ein Zentimeter. Aber auch in Berlin gibt's die große orientalische Schabe, also die, die als Küchenschabe bekannt ist. Die mag es besonders warm, und ist öfter schon ein Problem für Bäckereien gewesen.Tun die Kakerlaken eigentlich was?Ach was, die sind natürlich eklig. Nun gut, im schlimmsten Fall kontaminieren sie Lebensmittel mit Keimen, die sie von anderswo mitbringen. Die legen die Schaben dann mit dem Kot ab, eventuell erbrechen Sie sich gar ...Wie? Da übergibt sich die Kakerlake ins Mehl?Die haben einen Kropf, den sie von Zeit zu Zeit leeren. Dabei hinterlassen sie Krümelchen, die der Laie vielleicht für Kot hält. Aber Laien merken sowieso meist erst, dass Kakerlaken im Gebäude leben, wenn die sich schon stark vermehrt haben. Schließlich sind Schaben nachtaktiv und verstecken sich gern.Was mache ich, wenn ich so einem Tier in der Küche begegne?Sie rufen hoffentlich einen Profi-Kammerjäger. Der sucht dann etwa unter der Badewanne und hinter der Spüle nach Kot, Eipaketen oder gar lebenden Tieren. Wenn er nichts findet, stellt er wahrscheinlich noch ein paar Klebe-Fallen auf.Und dann? Muss ich ausziehen, wenn ihm Tiere auf den Leim gehen?In der Wohnung ist das kein Problem. Da legt man kleine Mengen an Giftködern aus, dann sterben die Schaben schnell - sofern man nicht ständig Zulauf von den Nachbarn hat.Das Gespräch führte B. Strohmaier.------------------------------Foto: Jutta Klasen ist beim Umweltbundesamt für die Prüfung von Schädlingsbekämpfungsmitteln zuständig.