FRIEDENAU. Mary, die schwarz-weiße Katze, mitgebracht von einer Reise zu den schwedischen Verwandten, sitzt am Tresen der Rezeption. Gegenüber hängen dicht an dicht Porträtfotos, Schwarz-Weiß-Bilder von Dichtern, die einst in Friedenau lebten und arbeiteten - Günter Grass, Uwe Johnsson, Max Frisch, Erich Kästner, Günther Weisenborn und andere. Die 1871 gegründete Gartenstadt Friedenau war schon immer Künstlerort, bis in die 1960er- und 70er-Jahre zog der Ortsteil insbesondere Literaten magisch an. Daran will Christa Moog auf besondere Weise erinnern. Gemeinsam mit ihrem schwedischen Mann Henry führt sie Berlins erstes Literaturhotel: das Hotel Friedenau.Die 55-jährige gebürtige Thüringerin hat nicht nur viel Interesse für Literatur und ein Gespür für die Atmosphäre, die Friedenau so besonders macht, Christa Moog ist selbst Schriftstellerin. Bekannt wurde sie unter anderem durch ihren 1985 veröffentlichten Erzählungsband "Die Fans von Union", der in der DDR nicht erscheinen durfte. Sechs Jahre später hatte sie großen Erfolg mit ihrem ersten Roman "Aus tausend grünen Spiegeln". Die studierte Germanistin und Sportwissenschaftlerin hatte 1984 die DDR verlassen "wegen der geistigen Enge und der Stasi-Bespitzelung". In der Bundesrepublik erhielt sie mehrere Preise, darunter 1988 den Aspekte-Literaturpreis und 1993 ein Stipendium der renommierten Villa Massimo in Rom. Reisen auf den Spuren ihres großen Vorbilds, der neuseeländischen Autorin Katherine Mansfield, führten Moog nach London, Paris und Neuseeland.2003 pachteten Christa Moog und ihr Mann das Hotel in der Fregestraße. Das Haus aus dem Jahr 1898, früher als Hotel Hospiz bekannt, stand vorher zwei Jahre leer und musste aufwendig saniert werden: "Nur in drei Zimmern gab es ein Bad", sagt Moog. "Und an den Wänden waren furchtbar hässliche Tapeten." Jetzt bestimmen zusammengetragene Biedermeier-Möbel, Kronleuchter, Gemälde und natürlich viele Bücher das Haus. Im Frühstücksraum stehen die Bände von Autoren, die in Friedenau gelebt und gearbeitet haben, es gibt eine kleine Berlin-Abteilung und auch auf den 17 Zimmern ist Literatur vorrätig. Ergänzt werden soll die Sammlung noch mit passenden Hörbüchern. Das größte und schönste Zimmer ist dem Schriftsteller und Grafiker Christoph Meckel gewidmet. Dort stehen nicht nur etliche seiner Bücher. An den Wänden, selbst im Bad, hängen auch handsignierte Lithografien des Künstlers.Wer auf den Spuren von berühmten Literaten in Friedenau wandeln will, kann sich an die Hotelchefin wenden - sie vermittelt entsprechende Führungen durch die Viertel. Und alle zwei Monate gibt es Lesungen im Literaturhotel. Heute Abend sind der Autor Edgar Hilsenrath und der Verleger Volker Dittrich zu Gast, danach will Christa Moog Judith Hermann, eine der erfolgreichen jüngeren deutschen Autorinnen, einladen.Und wann liest Christa Moog neue Texte von Christa Moog? Die Hotelchefin zuckt entschuldigend die Achseln. Bis jetzt habe sie ihre volle Kraft für das Hotelprojekt gebraucht, sagt sie. "Wenn jetzt alles läuft, vielleicht komme ich dann auch wieder einmal zum Schreiben."Literaturhotel Friedenau, Fregestraße 68, heute 20 Uhr Lesung mit Edgar Hilsenrath und Volker Dittrich.Im Internet: www.hotel-friedenau.de------------------------------Das größte und schönste Zimmer ist dem Schriftsteller und Grafiker Christoph Meckel gewidmet.------------------------------Foto: Mit Sinn für Bücher und das Übernachtungswesen: Christa Moog in ihrem Literaturhotel in Friedenau.------------------------------KORREKTURDie Lesung im Literaturhotel Friedenau, über das wir gestern auf Seite 20 berichteten, findet heute Abend um 20 Uhr statt und nicht, wie irrtümlich angegeben, gestern. Wir bitten um Entschuldigung. (22.02.2008)