Schienenersatzverkehr: Das Wort genügt, um Fahrgästen die Laune zu verderben. Wenn ein schneller Bahnverkehr bei Bauarbeiten durch langsame und volle Busse ersetzt wird, löst das keine Freude aus. Bei Busersatzverkehr wäre das anders - darin sind sich eine Studiengruppe der Technischen Universität Berlin sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einig. Sie schlagen vor, die Busse zwischen Alexanderplatz und Rathaus Steglitz durch schnellere Straßenbahnen zu ersetzen. "Busersatzverkehr"- so heißt auch ihre Machbarkeitsstudie für eine Verlängerung der Tramlinie M 4 in den Westen Berlins, die sie gestern vorstellten."Die neue Strecke würde eine sehr gut nachgefragte Verbindung schaffen", sagte Lukas Foljanty, Mitglied der Studiengruppe. Mit täglich 145 000 Fahrgästen wäre die verlängerte Linie M 4, die weiterhin in Falkenberg beginnen soll, künftig die am stärkste frequentierte Straßenbahnlinie Berlins. "Damit läge sie auf dem Niveau der U-Bahn-Linie 2", so Foljanty. Zwar würde die S-Bahn zum Beispiel auf der Linie S 1 Fahrgäste verlieren - doch unterm Strich könnte das neue Angebot immer noch jährlich 3,1 Millionen Neukunden für den Nahverkehr gewinnen. Aus dem Fahrkartenverkauf würden die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) pro Jahr 4,1 Millionen Euro zusätzlich einnehmen.Die Vorteile im Vergleich zu heute seien offensichtlich. So dürfe die Bahn bis zu 60 Kilometer in der Stunde fahren, der Bus nur 50. "Vom Alexanderplatz nach Steglitz würde sie 31 Minuten brauchen. Die Busse der Linie M 48 sind laut Plan 41 Minuten unterwegs. Oft dauert die Busfahrt aber eine Stunde, weil Stau die Reise verlängert", so der angehende Stadt- und Regionalplaner.Die 10,5 Kilometer lange Neubautrasse in den Südwesten würde eine große Lücke im Schienennetz schließen. Sie soll auf eigenem Gleiskörper über die Leipziger Straße zum Potsdamer Platz führen - von dort aus über die Potsdamer, Haupt-, Rhein- und Schlossstraße. Rasengleise und 230 neu gepflanzte Bäume sorgen dafür, dass die Strecke ansehnlich wird. Foljanty rechnet mit Baukosten zwischen 110 Millionen und 130 Millionen Euro - Berlin müsste aber nur ein Viertel tragen. Den Autos bliebe auf dem Straßenzug südlich des Kulturforums nur noch ein Fahrstreifen pro Richtung. Doch weil der Autoverkehr im Zentrum ohnehin zurückgehe, wäre das unproblematisch."Vor allem in der Schlossstraße sehen wir Schwierigkeiten für den Lieferverkehr", sagte dagegen Manuela Damianakis, Sprecherin der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Trotzdem sei die Studie auf großes Interesse gestoßen: "Unsere Experten werden sich damit jetzt weiter auseinandersetzen." "Ein sinnvolles Projekt", lobte der SPD-Verkehrspolitiker Christian Gaebler. Es könnte zu den Tram-Vorhaben gehören, die in der 2010 beginnenden nächsten Wahlperiode vorangetrieben werden sollten: "Dann sollten wir es schrittweise angehen." Wichtiger ist für Gaebler allerdings ein anderes Vorhaben, für das Tilo Schütz vom BUND gestern Details vorstellte.Die Straßenbahn, die voraussichtlich ab 2011 aus Richtung Osten zum Hauptbahnhof fahren wird, sollte durch Moabit zum U-Bahnhof Mierendorffplatz fortgeführt werden. Auch dort böte dies die Chance, Straßen für Nichtmotorisierte attraktiver zu gestalten.------------------------------Karte: M4 in den Westen Berlins. Die Verlängerung der M 4 könnte die Buslinien M 48 und M 85 ersetzen.------------------------------Foto: Die neue "Flexity"-Bahn der BVG ist seit Montag auf der M4-Linie unterwegs. Künftig soll sie nach Steglitz führen.