Die Nebenwirkung eines Lebensmittelfarbstoffs könnte sich als Schlüssel zur Entwicklung neuer Arzneien erweisen, die das Immunsystem gezielt bremsen. Solche als Immunsuppressiva bezeichneten Substanzen werden etwa nach Organübertragungen benötigt.Schon seit Längerem wissen Forscher, dass die in dem Lebensmittelfarbstoff Ammoniak-Zuckercouleur enthaltene Substanz Tetrahydroxybutyl-Imidazol (THI) das Immunsystem schwächt. Wissenschaftler des Howard Hughes Medical Institute in San Francisco haben in einer Studie an Mäusen nun genau untersucht, mit welchen körpereigenen Stoffen THI in Wechselwirkung tritt. Die Ergebnisse stellen die Forscher um Jason Cyster im Wissenschaftsmagazin Science vor.Ausgangssperre für ImmunzellenAus früheren Versuchen an Mäusen wussten die Forscher, dass THI Immunzellen daran hindert, so genannte lymphatische Gewebe wie die Lymphknoten zu verlassen und in das Blut überzutreten. Übermäßige THI-Zufuhr lässt daher die Zahl der im Blut zirkulierenden Immunzellen absinken und macht die Tiere anfälliger für Infektionen.Wie Jason Cyster und sein Team nun herausfanden, beruht die immunschwächende Wirkung von THI darauf, dass es das Enzym S1P-Lyase blockiert. Dieses baut normalerweise eine als Sphingosin-1-Phosphat (S1P) bezeichnete, fettartige Substanz ab, die unter anderem an der Regulation des Immunsystems beteiligt ist. Unter dem Einfluss von THI reichert sich S1P in Lymphknoten und Thymus an, wo es die Immunzellen sozusagen festhält. Jasons Team hofft nun, dass Wirkstoffe, die an S1P oder an der S1P-Lyase angreifen, sich für neue Immunsupressiva nutzen lassen.Winzige Mengen im EssenAmmoniak-Zuckercouleur ist unter dem Kürzel E150c als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. THI entsteht bei Herstellung des Farbstoffs. E150c ist zum Beispiel in Fertigsaucen, Süßwaren, Malzbrot und einigen Essigsorten enthalten. Gemäß dem deutschen Lebensmittelgesetz darf der Zusatzstoff nur geringe Mengen an THI aufweisen. Sie beeinträchtigen das Immunsystem nach heutigem Wissen nicht.Science, Bd. 309, S. 1735