Ein beliebter Spruch von US-Bankern lautet: Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem. Das klang lässig. Doch jetzt ist die Dollar-Dominanz zum Problem für alle geworden. Die wichtigsten Fragen zum Thema.------------------------------Wie funktioniert das derzeitige Weltwährungssystem?1971 wurde von den US-Amerikanern das seit dem Zweiten Weltkrieg geltende Bretton-Woods-System abgeschafft, das auf festen Wechselkursen basierte. "Seitdem herrscht Chaos, es gibt im Grunde keine Regeln und kein System", sagt Paul Schmidt, Währungsexperte der Frankfurt School of Finance and Management. Die großen Industriestaaten überlassen ihre Währungen dem Markt. Angebot und Nachfrage bestimmen also bei Euro, Yen, Dollar und Pfund den Kurs. Viele kleine Staaten haben ihr Geld an diese Leitwährungen gekoppelt. Eine dritte Gruppe managt ihre Währungen aktiv. Das machen etwa die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und vor allem China.Warum ist es zum Problem geworden?Diese Länder hielten über Jahre ihre Währungen im Vergleich zum Dollar künstlich niedrig, indem sie kräftig Dollar einkauften und so dessen Kurs hochhielten. Mit dem starken Dollar und den hohen Rückflüssen aus den Schwellenländern konnten die USA den Konsumrausch der vergangenen Jahre finanzieren. Das Geld floss aber auch in unsinnige Anlagen. So wurde das Entstehen der Immobilienblase mitbefördert.Warum machen sich die Chinesen jetzt Sorgen und wollen weg vom Dollar?China hat inzwischen Devisenreserven im Wert von knapp 2 000 Milliarden Dollar, weniger als 20 Prozent davon sind in anderen Währungen angelegt. Doch die US-Amerikaner werfen derzeit die Notenpresse an, die Zentralbank Fed kauft Staatsanleihen und schürt damit die Inflation. Viele befürchten, dass der Dollar aufgrund der neuen Schulden der USA in den kommenden Jahren stark abwerten wird. Die Amerikaner haben dabei durch die starke Verbreitung des Dollar den Vorteil, dass die Entwertung ihrer Währung von anderen mitgetragen wird. "Die Chinesen aber wissen, dass ihr Vermögen enorm unter einem Wertverlust des Dollars leiden würden", sagt Schmidt. Verkaufen könnten sie ihre Reserven trotzdem nicht, damit würden sie einen Dollarsturz einleiten.Was für ein Währungssystem möchte China einführen?Der Internationale Währungsfonds (IWF)soll eine wichtigere Position einnehmen und dessen Kunstwährung "Sonderziehungsrechte" (SZR) eine prominentere Rolle spielen. Bisher werden damit IWF-Zahlungen berechnet. Doch China will, dass Notenbanken auf der ganzen Welt ihre Währungsreserven in SZR anlegen können.Was würde China gewinnen?Der Vorteil für die Chinesen wäre, dass die SZR aus einem Korb der wichtigsten Währungen anhand der Wirtschaftskraft der Länder berechnet würden.Der Dollar würde also immer noch eine wichtige Rolle spielen, Yen und Euro aber ebenfalls einen Großteil des SZR-Werts bestimmen. Damit wäre das Problem der Chinesen mit dem Dollar viel kleiner.Ist der Vorschlag durchsetzbar?Volker Hofmann, Volkswirt beim Bundesverband deutscher Banken, zweifelt daran, weil eine internationale Abstimmung notwendig wäre. "Es stellt sich die Frage, ob die USA bereit sind, mitzumachen. Immerhin würden sie dadurch ja ihre Vorteile aufgeben." Die USA haben gestern denn auch bereits mit Ablehnung auf die Pläne reagiert. Sie können mit ihrer Sperrminorität im IWF eine Reform verhindern. Andererseits ist es auch in ihrem Interesse, die globalen Ungleichgewichte im Währungssystem anzugehen, sagt Experte Paul Schmidt: "Noch wird dem Dollar vertraut. Aber sobald dieses Grundvertrauen weg ist, könnte es zu einer drastischen Abwertung kommen, die die Weltwirtschaft in weitere schwere Turbulenzen stürzen würde."