Einen Beruf kann man nicht mehr nur an staatlichen Schulen und in Betrieben erlernen: In privater Hand

Sie arbeiten in der Buchhaltung, im Fitnessstudio oder Eventmanagement. Sie drücken die Schulbank, packen im Firmenalltag mit an -und machen doch eine Lehre der anderen Art: Azubis, die nicht im dualen System, also in Berufsschule und Betrieb, ins Arbeitsleben einsteigen, sondern eine private Berufsausbildung gewählt haben."Seit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes 2005 gewinnen private Anbieter an Bedeutung", sagt Eleonore Bausch von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin. "Denn nun können Absolventen privater Anbieter ihre Lehre mit einer Externenprüfung an der IHK abschließen." Die Ausbildungen an privaten Instituten sind unterschiedlich: Manche bieten eine "vollschulische" Qualifizierung an. Dann werden sowohl Theorie als auch Praxis in der Bildungseinrichtung unterrichtet. Für die praktischen Ausbildungsanteile wird der Echtbetrieb, zum Beispiel ein Büroalltag mit Posteingang, -ausgang und Buchhaltung, simuliert. Andere Anbieter kooperieren mit Betrieben, in die sie ihre Lehrlinge für Praktika schicken. Die meisten privaten Ausbildungsangebote gibt es für kaufmännische Berufe oder für Berufe in Wirtschaft und Verwaltung, Technik, Gesundheit, Hotelmanagement, Elektrotechnik oder Fremdsprachen.Inhaltlich müssen die Azubis bei privaten Bildungsträgern dasselbe Programm stemmen wie Lehrlinge im dualen System. Die IHK prüft das Ausbildungsangebot und checkt gegebenenfalls, ob die Praktikumsbetriebe die vorgeschriebenen Anforderungen erfüllen. Der Berliner Bildungsträger gpb hat Lehrberufe im Programm, die mit einer IHK-Prüfung abgeschlossen werden: Bürokaufmann, Mediengestalter Digital und Print, IT-Systemelektroniker oder Sport- und Fitnesstrainer. 18 Monate lang pauken die zwischen 18 und 25 Jahre alten Jugendlichen in der Schule, 18 Monate geht es in die Betriebe. Im Gegensatz zur klassischen Lehre müssen sie für die Ausbildung selbst ins Portemonnaie greifen: 300 Euro pro Monat kostet die Ausbildung. "Dafür werden die Jugendlichen bei uns intensiv betreut", sagt Institutsleiterin Sylvia Herbst-Ilius. "Wir coachen die Azubis während der Praktika, kontrollieren in der schulischen Phase ihre Leistungen durch Klausuren und haben fast keinen Unterrichtsausfall." Ein Teil der Azubis bekommt Schüler-BAföG. Trotz der Kosten stehen die Anwärter Schlange. Auf einen Platz kommen zehn Bewerber. Nur wer Allgemeinbildungstest, Rechen- und Deutschprüfung schafft, hat eine Chance. "Gerade für Jugendliche, die im ersten Anlauf keine Lehrstelle gefunden haben, bieten wir eine Alternative", so gpb-Chefin Herbst-Ilius.Auch im Forum Berufsbildung lernen die Azubis 36 Monate abwechselnd in Schule und Praktikum. 45 Lehrlinge durchlaufen derzeit die schulische Ausbildung zu Sport- und Fitness- oder Veranstaltungskaufleuten. Kosten: 170 Euro im Monat. Parallel dazu nehmen 145 Jugendliche an der Verbundausbildung teil, das heißt sie werden in einem Betrieb ausgebildet, haben zwei Tage die Woche Berufsschule und zusätzlichen Unterricht beim Forum Berufsbildung. Die Kosten teilen sich das Land Berlin und die Europäische Union. Die Lehrlinge bekommen die gängige Ausbildungsvergütung. Im Angebot sind Veranstaltungstechnik, Marketingkommunikation, Tourismus, Einzelhandel oder Gesundheitswesen. "97 Prozent der Azubis schaffen die Prüfung im ersten Anlauf", sagt Marketingassistentin Anja Hafer vom Forum Berufsbildung. "Danach haben sie gute Berufsaussichten."Bislang machen nur wenige ihre Ausbildung an privaten Fachschulen. Von einem "kleinen wachsenden Teilmarkt des staatlichen Ausbildungssystems" spricht IHK-Frau Bausch. "Sinnvoll ist das für junge Menschen, die lieber die Schulbank drücken als die Werkbank -und sich das Schulgeld leisten können." Die Chancen der Absolventen beurteilt die Expertin positiv, auch wenn viele Unternehmen nach wie vor Azubis aus einer betrieblichen Ausbildung bevorzugen. Irmgard Frank vom Bundesinstitut für Berufsbildung wundert das nicht. "Es ist ja gerade die Stärke der dualen Ausbildung, dass die Azubis in die alltäglichen Prozesse des Betriebes eingebunden und Teil des Unternehmens werden. Das können Praktika nicht ersetzen, dort bleiben sie immer Gast", so Frank, die private Ausbildungsangebote auch sonst eher kritisch beurteilt. "Solche Angebote stellen das duale Ausbildungssystem auf den Kopf. Sie entfernen sich weit von der Philosophie, die die Ausbildung so nah wie möglich an die Betriebe knüpft."------------------------------AusbilderIn Berlin gibt es einige private Ausbildungsinstitute. Eines davon ist der Bildungsträger gpb. Er bildet in den Bereichen IT und Medien, in Dienstleistungs- und kaufmännischen Berufen aus. www.gpb-berlin.deHauptsächlich im kaufmännischen Bereich sind die Ausbildungen beim Berliner Forum Berufsbildung angesiedelt.www.forum-berufsbildung.de------------------------------Foto: Die Lehre bei einem privaten Bildungsträger nehmen noch wenige Azubis in Anspruch. Pauken müssen sie dort genauso wie an staatlichen Schulen.