Der brandenburgische SPD-Europaparlamentarier Norbert Glante ist ein umtriebiger Mann. Er kümmert sich in Straßburg um die Telekommunikation, um Forschung und Energie. Und er findet Zeit, Vizepräsident des European Energy Forums zu sein, eines Clubs, der unter anderem für neue Atomreaktoren wirbt.Norbert Glante ist für das Atom. Er hatte deshalb nichts dagegen, mit Gleichgesinnten ein "Diskussionspapier" an die Öffentlichkeit zu geben. Der Text, für den Glante eine eigene Webseite eingerichtet hat, fordert unter der schönen Überschrift "Realitäten annehmen" unter anderem die Entwicklung "sicherer Kernenergie". 14 Unterschriften von SPD-Mitgliedern trägt die Liste. Unterzeichnet haben Leute wie Rainer Knauber und Manfred Haberzettel, die als Lobbyisten für die Stromkonzerne Vattenfall und EnBW in Erscheinung getreten sind. Dazu gehört auch der Chef des Windradherstellers RE Power, Fritz Vahrenholt, zu dessen Aktionären der Reaktorbauer Areva zählt. Der SPD-Vorstand in Berlin hat sich darüber mächtig geärgert. Parteichef Matthias Platzeck stellte klar, dass die SPD am Atomausstieg festhält.Nun gilt es in EU-Kreisen nicht als unehrenhaft, Politik und Geschäft zu verquicken. "Die Jacke zieh' ich mir nicht an, von der Atomlobby instrumentalisiert worden zu sein", sagte der Abgeordnete Glante der Berliner Zeitung. Man wolle nur eine "ehrliche Diskussion" anstoßen. Der Ehrlichkeit halber muss dazu gesagt werden, dass die aus dem Internet ladbare Computer-Datei des Diskussionspapiers ursprünglich offenbar anderen Zwecken diente: "Die Rolle eines Unternehmens wie Vattenfall beim Zusammenwachsen Europas" lautete der Name, unter dem die Text-Datei anfangs angelegt wurde. Benutzt wurde die Datei ursprünglich von dem Ex-SPD-Europa-Abgeordneten Rolf Linkohr, der sie offenbar für das Atom-Papier wiederverwendet hat. Eine Kopie des überschriebenen Ursprungstextes ist im Web noch zu finden. Es handelt sich dabei um eine Laudatio Linkohrs auf Lars Josefsson, den Chef des Energiekonzerns Vattenfall. Linkohr vergleicht darin Josefssons Weitsicht mit der von "Laurentius", Namensgeber für den Vornamen Lars. Voll des Lobes ist Linkohr für Josefssons "moderne Schnittigkeit an Gesinnung". Der Vergleich mit Laurentius hat Josefsson womöglich nicht gefallen: Der Heilige soll der Legende nach zu Tode geröstet worden sein.