Das Kaufzentrum Siemensstadt wird in diesem Jahr 35 Jahre alt. Die Geschäftsleute feiern vom 19. bis 21. September ein nostalgisches Geburtstagsfest. Geplant ist bisher ein Flower-Power-Trödelmarkt im Geist der Sechziger Jahre.Am 26. Oktober 1961 war das neue Einkaufszentrum am Siemensdamm 43-46 eine kleine Sensation: Das erste "shopping centre" auf deutschem Boden öffnete seine Pforten. Zu ebener Erde versprachen 26 Läden und ein Restaurant neue Einkaufsfreuden. So etwas war bis dahin nur in Rotterdam oder Stockholm möglich. Ein Parkplatz direkt neben dem Gebäude bot Raum für das neu erworbene Auto. Trockenen Fußes erreichten die Kunden in Kürze Geschäfte unterschiedlicher Branchen. "Ein Paradies für Hausfrauen" titelte eine Berliner Tageszeitung damals."Ich habe hier Höhen und Tiefen miterlebt", sagt Marianne Sabbagh. Die Inhaberin von "Marianne Moden" arbeitet seit 26 Jahren im Kaufzentrum und ist hier mittlerweile die Dienstälteste. "Ich hänge an dem Laden", erzählt sie, "mein Mann und ich fingen mit 5 000 Mark Startkapital an. Zuerst habe ich noch weiterhin als Verkäuferin am Tauentzien gearbeitet." Treue Stammkunden Schon nach kurzer Zeit gab sie ihre Anstellung auf, um sich ganz dem eigenen Geschäft zu widmen. "Ich hatte Angst davor, mich selbständig zu machen. Aber mein Mann stand mir von Anfang an zur Seite", berichtet die Sechzigjährige. Manchmal bereue sie die Selbständigkeit. Es sei sehr viel Arbeit und Verantwortung. Doch ihre Stammkundschaft entschädige sie für die Mühe. "Die echten Siemensstädter sind am Anfang schwierig, sehr zurückhaltend. Doch wenn sie gut bedient werden, hat man dankbare und treue Kunden. Die beste Werbung ist ein schönes Schaufenster, aufmerksame Bedienung und ein gutes Sortiment", sagt die Unternehmerin.Trotz dieses Service sei ihr Geschäft schwieriger geworden: "Das Geld sitzt nicht mehr so locker wie früher. Als kleine Verkäuferin kann ich mir das doch ausrechnen, bei den vielen Abgaben und Kosten heutzutage", sagt Marianne Sabbagh. Zum zehnjährigen Geschäftsjubiläum habe es noch jede Menge Glückwunschsträuße von Kunden gegeben. "Mancher dachte, es hätte ein Blumenladen aufgemacht. Als wir im letzten Jahr 25. Jubiläum feierten, gab es kaum noch Präsente. 1995 war mein schlechtestes Geschäftsjahr bisher", urteilt sie. Auch mit der Vermietung im Kaufzentrum ist sie nicht zufrieden: "Die Qualität einzelner Läden ist schlecht. Das Niveau sinkt. Es fehlt auch ein Cafe." 14 000 Besucher täglich Peter de Kleine ist durchaus zufrieden. Er ist für die Werbung und Öffentlichkeitsarbeit des Kaufzentrums verantwortlich. "Seit 1979 sind die Ladenflächen trotz Fluktuation durchgängig voll vermietet. Zwar gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten, aber die Kunden mögen unser Zentrum", sagt er. Seit 1986 zählt sein Unternehmen zweimal pro Jahr die Kundschaft: "Die Zahlen steigen ständig. Mittlerweile besuchen täglich 14 000 Kaufwillige das Zentrum. Direkt nach der Wende gab es einen Besuchergipfel mit 17 000 Kunden an einem Tag", erinnert sich de Kleine. Damit es auch in Zukunft aufwärts geht, werde es weitere Verbesserungen geben. De Kleine: "Fahnen und mehr Licht in den Eingängen sollen das Einkaufszentrum noch attraktiver machen. Und 1999 steht ein neuer Name ins Haus: die ,Siemenspassagen' sind schließlich die längsten Glaspassagen Europas." Gäste finden dort eine 1 000 Meter lange Schaufensterfront mit 60 Fachgeschäften unter einem Dach. Arnd Schweitzer Morgen lesen Sie in der Spandau-Rundschau alles über die Entstehungsgeschichte des Kaufzentrums Siemensstadt. +++