BERLIN, 3. September. Die radioaktive Belastung im Arktischen Ozean ist nicht auf dort verklappten russischen Atommüll, sondern auf Einleitungen der britischen Wiederaufbereitungsanlage (WAA) Sellafield zurückzuführen. Konzentrationen bis zu zehn Becquerel haben Meeresforscher der Universität Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Schiffahrt und Hydrographie dort gemessen. "Eine Gefahr für Menschen besteht allerdings nicht", sagte der Ozeanograph Ingo Harms vom Hamburger Institut für Meereskunde, der an der dreijährigen Studie mitgearbeitet hat. Was die in der Kara- und der Barentssee versenkten russischen Behälter angehe, so gebe es bislang keinerlei Hinweise, daß überhaupt Radioaktivität entweichen konnte, erklärte Harms. Die ehemalige Sowjetunion hatte seit 1959 große Mengen radioaktiver Abfälle im Arktischen Ozean versenkt. Neben Tonnen und Containern gefüllt mit schwach radioaktivem Müll liegen 17 komplette Schiffsreaktoren auf dem Meeresgrund. Sieben davon sind noch mit Kernbrennstoff bestückt. Als dieser atomare Schrottplatz Anfang der neunziger Jahre entdeckt wurde, sei die davon ausgehende Radioaktivität erheblich überschätzt worden, teilten die Hamburger Forscher mit.Mengen reduziertVon der Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield hingegen wird schon seit 1965 radioaktiv verseuchtes Wasser in die Irische See geleitet. Vier bis acht Jahre dauert der Transport der sogenannten "radioaktiven Wolke" über Meeresströmungen bis zum Arktischen Ozean. In den vergangenen Jahren haben die Betreiber der WAA die eingeleiteten Mengen an Radioaktivität allerdings stark reduziert.In einem Katastrophen-Szenario untersuchten die Wissenschaftler auch, was geschehen könnte, wenn die in den russischen Behältern konzentrierte Radioaktivität auf einen Schlag austräte. "Selbst dann wäre die radioaktive Belastung nicht höher als der 1979 in der Nordsee gemessene Spitzenwert", sagte Harms. Ursache der damaligen Höchstbelastung von bis zu 200 Becquerel war ebenfalls die britische WAA.