CHRISTCHURCH. Der Fernseh-Detektiv Magnum alias Tom Selleck trug einen. Der Film-Kasache Borat ebenfalls. Und Deutschlands Handball-Bundestrainer Heiner Brand hat sogar einen riesigen - dicken fetten Schnauzbart im Gesicht.Während in Deutschland manche Männer sogar Bärte für Weltmeisterschaften züchten und mit Spray in Form halten, ist am anderen Ende der Welt Haarschmuck im Gesicht nicht sonderlich populär. Am ehesten ist noch ein Vollbart jedweden Ausmaßes salonfähig, aber in punkto Bartstoppeln über die ganze Breite der Oberlippe ist vor allem die Männer-Meinung gnadenlos: Wer einen Schnauzbart trägt, so die gängige Einschätzung, ist entweder schwul oder Deutscher, also einer von denen, die in der verschärften Touristen-Version ein kariertes Holzfällerhemd und/oder weiße Tennissocken in den Sandalen tragen.Im Monat November ändert sich jedoch das Bild. Plötzlich tauchen an jeder Ecke in Australien und Neuseeland einheimische Schnauzbartträger auf. Ganze Büro-Belegschaften lassen sich waagerechte Rotzbremsen, hängende Dschingis-Khan-Kinnkantenkitzler und geschwungene Bananenbärte wachsen. Dieses Phänomen heißt Movember - die Verschmelzung der Worte November und Mo, der Kurzform des Wortes Moustache, also Schnauzbart. Die Bartträger heißen entsprechend Mo Bros - Schnauzbart-Brüder.Bart-Weltmeister wie Hans-Peter Jahn aus dem deutschen Hesel müssen sich vor etwaiger Konkurrenz jedoch nicht fürchten. Einen Kaiserlichen Backenbart bekommt hier unten keiner hin, denn nach einem Monat ist der Spuk vorbei. Diese Woche noch, dann sind die Bärte wieder ab und wohltätige Organisationen, vor allem die Krebshilfe, um einige Millionen Dollar reicher. Die bärtigen Männer sammeln nämlich den ganzen November über Geldspenden, viele Menschen bieten bei finalen Bartversteigerungsauktionen großzügige Summen für den guten Zweck. Das Ergebnis wird in Büropartys und Galaveranstaltungen genauso gefeiert wie das Ende des Juckreizes im Gesicht.Auch Damenbärte sind während des Monats erlaubt, und weibliche Unterstützung ist ausdrücklich gefragt. Aber primär ist Movember Männersache. Der eigentliche Sinn der Aktion ist, die oft vernachlässigte Gesundheit von Männern in den Blickpunkt zu rücken, Männer dazu zu bewegen, zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen, und entsprechende Hilfsorganisationen zu unterstützen. Die bösartige Erkrankung der Prostata ist hier die häufigste Krebsform bei Männern über 45 Jahren und die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern über 75 Jahren.1999 hatte eine Männergruppe in Adelaide, der Hauptstadt Südaustraliens, die Aktion Movember erfunden, aber es dauerte bis 2004, ehe sie offiziell gestartet wurde. Seither haben die Australier mehr als 24 Millionen australische Dollar (nach heutigem Kurs 12,06 Millionen Euro, damals wesentlich mehr) für den guten Zweck aufgebracht, 2007 allein 16,2 Millionen oder 8,14 Millionen Euro.Neuseeland schloss sich 2006 an. Im ersten Jahr kamen umgerechnet 376 000 Euro in die Kasse, 2007 waren es schon 900 000 Euro. Während dieses Geld komplett an die Krebshilfe ging, wird der Erlös des diesjährigen Movembers zwischen der Krebshilfe und der Stiftung für geistige Gesundheit geteilt, da jeder zehnte Mann im Land der Kiwis unter Depressionen leidet.Großbritannien, die USA, Kanada und als einziges nicht-englischsprachiges Land Spanien sind 2007 Mitglieder der Movember-Bewegung geworden. Irland ist in diesem Jahr dazugekommen. Man braucht sich also nicht zu wundern, wenn auch in diesen Ländern manche Männer im November besonders gut, viele andere hingegen irgendwie leicht entstellt aussehen.------------------------------Kurz oder langFür lange Bärte reicht ein Monat nicht: Ein Gesichtshaar wächst pro Tag etwa um 0,4 Millimeter. Würde sich ein Mann nie rasieren, wäre sein Bart am Ende seines Lebens im Durchschnitt zehn Meter lang. Allerdings nur theoretisch: An einem bestimmten Punkt hört der Bart meist zu wachsen auf. Besonders ein Oberlippenbart bringt es nur sehr selten zu großer Länge.Im Gegensatz zu den Australiern sind Bärte aller Art in Deutschland zumindest unter Männern beliebt: 64 Prozent von ihnen tragen einen. Die übrigen verbringen stattdessen rund 3 350 Stunden ihres Lebens beim Rasieren.------------------------------Foto: Solidarisch mit den Aussies: Diese US-Polizisten aus Connecticut haben sich der Movember-Bewegung angeschlossen und tragen Schnäuzer.