Anmelden können sich die rund 80 in Berlin lebenden Imame noch nicht. Doch dass die islamischen Religionsgelehrten ab Januar kommenden Jahres zu einem besonderen Fortbildungskurs eingeladen sind, hat sich unter Muslimen schon herumgesprochen: Die überwiegend in der Türkei oder in arabischen Ländern ausgebildeten Imame sollen Gläubige besser über Alltagsfragen der Gesellschaft als bisher beraten. "Berlin-Kompetenz" nennt es der Integrationsbeauftragte Günter Piening. Das Projekt ist Deutschland-weit einmalig.Im Kurs mit zunächst maximal 25 Plätzen lernen die Imame möglichst viel über Alters- und Rentenversicherung, über Behörden, das Schulsystem, über den Arbeitsmarkt - aber auch über deutsche Geschichte. "Ein Themenblock beschäftigt sich sicherlich mit häuslicher Gewalt", sagt Heyrettin Aydin von der Muslimischen Akademie. Wenn Frauen Schutz suchen, würde der Imam beispielsweise Adressen von Hilfseinrichtungen geben. Der Kurs dauert ein Dreivierteljahr. Nur während des Ramadans wird wegen der großen zeitlichen Belastung der Religionsgelehrten unterbrochen."Wir interessieren uns sehr für diese Kurse", sagt Ender Cetin von der Sehitlik-Moschee. Die Moschee am Neuköllner Columbiadamm gehört zur Union der Anstalten für Religion (DITIB), die zwölf Imame und eine weibliche Religionsgelehrte beschäftigt. Die in der Regel für vier Jahre aus der Türkei geholten Imame nehmen in ihrem Land bereits an einem Vorbereitungskurs des Goethe-Instituts und in Berlin an Deutschkursen teil. DITIB hält das neue Programm für absolut notwendig und will einige Imame dafür auswählen. Auch Chaban Salih vom islamischen Verein INSSAN sagt: "Wir sind mit dabei." Über seinen Verein könnten Imame in bis zu sechs Moscheen erreicht werden. Imame sind häufig diejenigen, deren Rat gläubige Muslime als Respekt- und Autoritätspersonen am ehesten annehmen.Islamforum entwickelt ProjektEntstanden ist die Idee im 2005 gegründeten Islamforum, in dem neben Politikern und Vertretern von fast allen Religionsgemeinschaften mehr als ein Dutzend Mitglieder muslimischer Vereine sitzen. "Die Gemeinden haben festgestellt, dass das Know-how zu allgemein-gesellschaftlichen Fragen absolut unzureichend ist", so Piening. Gerade kleine arabische, nicht in Verbänden organisierte Moscheenvereine würden sich durch das Projekt angesprochen fühlen. Laut Aydin soll die Weiterbildung durch Bundes- und Senatsmittel gefördert werden. Einzelheiten müssten Experten noch ausarbeiten. Der Integrationsbeauftragte und die Muslimische Akademie haben die Koordination übernommen.