Als wegweisend für die gesamte Bundesrepublik gilt das gestern vorgestellte "Berliner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt". Das bisher einmalige Modell wird in den kommenden vier Jahren mit insgesamt zwei Millionen Mark gefördert.Am gleichen Tag hatten sich erstmals verschiedene Fraueninitiativen sowie Verwaltungs- und Behördenvertreterinnen an einem "Runden Tisch" in den neuen Kreuzberger Projekträumen am Paul-Lincke-Ufer zusammengesetzt. 22 Personen - darunter zwei Männer - wollen sich auch im kommenden Jahr mehrmals treffen. Neben vielfältigen, auch juristischen Hilfen für die Betroffenen selbst geht es darum, langfristig auf die Täter einzuwirken. Dazu gehört, den Männern Verhaltenstraining anzubieten. Mehr als 60 Prozent der Gewaltopfer streben es nämlich an, sich in irgendeiner Form mit dem Partner auszusöhnen. Nicht nur für Bundesfrauenministerin Claudia Nolte (CDU) steht zudem das gesellschaftliche Ziel fest: "Häusliche Gewalt darf nicht - wie noch allzuhäufig - als Bagatelle abgetan werden." Auch Berlins Frauenstaatssekretärin Helga Korthaase freut sich, daß der Versuch gerade in Berlin mit der besonders "stimmgewaltigen Frauenbewegung" startet. Zunächst sollen in einer einjährigen sogenannten Anlaufphase bestehende Angebote untersucht werden. Außerdem schwebt den Frauen vor, rechtliche Spielräume auszuloten, die Situation von Kindern und Ausländerinnen zu beleuchten und natürlich noch stärker aufzuklären. Ob das Projekt gelingt, wagten weder Helga Korthaase noch die Frauenministerin einzuschätzen. Die Staatssekretärin sprach von "Klippen und Hindernissen". Claudia Nolte verwies darauf, daß die Beteiligten bislang "nicht immer vertrauensvoll" aufeinander zugegangen seien. Als "Novum" bezeichnete es Lina Hartmann von der Projektgruppe, daß die Staatsseite, Polizei, autonome und traditionelle Frauen zusammensitzen. +++