Eben erst erhielt ich Götz Alys Kolumne vom 24. Februar 2015, in der er erneut versucht, alle griechischen Ansprüche infolge der brutalen deutschen Okkupation 1941-1944 mit höchst problematischen Argumenten abzuschmettern. Zugleich attackiert er diesmal auch den Unterzeichnenden dieses Einspruchs, der sich seit Jahrzehnten um historische Flurbereinigung zwischen seinen beiden Heimatländern bemüht.

Wenn Götz Aly dabei dem Vertreter der Gegenposition „Verfälschung“ vorwirft, macht er sich deren selbst schuldig: So exkulpiert er etwa den von den deutschen Besatzern allmonatlich bei der griechischen Zentralbank eingetriebenen Zwangskredit als griechische bzw. Fleischersche Legende. Diese stütze sich, wie Aly zweimal behauptet, auf ein „einzelnes“ Dokument: den in den letzten Kriegsmonaten von NS-Experten ausgearbeiteten Schlussbericht, den ich vor Jahrzehnten – damals noch unsigniert im Keller des Bundesarchivs entdeckte.

Weiß Aly wirklich nicht, dass es zahllose Dokumente hoher NS-Stellen zum Kredit gibt, zur „Anlastung des Reichs“ und der regelmäßig nach Berlin gemeldeten (steigenden) „Reichsverschuldung gegenüber Griechenland“? Absurd ist auch Alys Behauptung, die Athener Regierung habe die Anleihe nicht als solche gesehen, zumal er keine griechischen Quellen kennt.

Dubios ist sein Vorwurf, ich hätte die „Aktiva“ der Nazi-Besatzung ignoriert! Abgesehen davon, dass mediale Anfragen bei mir fast immer das „historische Kuriosum“ der Anleihe betrafen, ist der Bericht von 1945 essenziell, da er für die deutsche Schuld einen als Minimum anzusehenden Richtwert errechnet. Hingegen entsprangen die darin behaupteten Importüberschüsse zuvörderst den allseits bekannten Clearingmanipulationen der Besatzungsmacht, die nun – Götz Aly sei Dank – späte Rechtfertigung finden.

Trotz eines Alibisatzes („Es liegt mir fern, die deutsche Besatzung Griechenlands zu verharmlosen“) macht Aly genau das: Er verliert kein Wort zur deutschen Ausplünderung des Landes, primär schuld an der Hyperinflation sowie der apokalyptischen Hungersnot mit etwa 100 000 Toten allein im ersten Besatzungswinter.

Kein Wort zum Terror gegen die Zivilbevölkerung, die blutiger war als in jedem anderen nichtslawischen Land. Kein Wort zur Zerstörung der Infrastruktur. Stattdessen gibt Aly vor, Griechenland stünde in der Schuld auch der ehemaligen Co-Okkupanten aus Bulgarien! Auf deutschen Druck musste das Regime in Sofia nämlich einen Bruchteil der Produktion aus den 1941 - 1944 annektierten griechischen Überschussgebieten den rechtmäßigen Besitzern überlassen!

Hagen Fleischer, Universität Athen