Das Buddhistische Dipankara Zentrum in Berlin-Rudow (Bezirk Neukölln) will das Schloss Sommerswalde in Schwante (Oberhavel) kaufen. Es ist einer von sechs Bewerbern um das seit sieben Jahren leer stehende historische Ensemble, das aus Kopien von Reichstag, Orangerie und Rotem Rathaus besteht. Die jetzt in der Gemeinde öffentlich vorgestellten Pläne sorgten für heftige Diskussionen im Ort. Die Entscheidung über die Vergabe des Schlosses trifft das Land Brandenburg, dem das Gebäude gehört. Noch im August beginnen die Verhandlungsgespräche mit allen Bewerbern.Früher Schule für PionierleiterSchloss Sommerswalde liegt etwas außerhalb von Schwante an der Straße nach Oranienburg. Bis 1989 war hier eine Pionierleiterschule des Zentralrates der FDJ untergebracht. Zwar bröckelt der Putz an der weißen Fassade, doch ansonsten wirkt das Gebäude gepflegt, ebenso der sieben Hektar große Park. Rechtsanwältin Liane Köhnen erklärte, warum das Buddhistische Zentrum den Sitz aus dem gemieteten Gebäude in Berlin auf ein mehrere Millionen Mark teures Anwesen verlegen will, mit "unmittelbarer Nähe zu Berlin", "guten Verkehrsverbindungen" und "ruhiger Lage". Außerdem platze das Rudower Domizil auf Grund des enormen Zulaufs aus allen Nähten. Seit acht Jahren gibt es das Zentrum in Berlin. Die dort arbeitenden Nonnen und Mönche sind meist Deutsche. Der Verein betreut auch Süchtige und seelisch Kranke und unterhält einen Kindergarten. Daran will man auf Schloss Sommerswalde anschließen. Eine Kultur- und Begegnungsstätte, eine konfessionslose Kita, ein tibetanisches und ayurvedisches Heilzentrum, ein Buchverlag und -vertrieb, Kunsthandwerksstätten sowie ein Kulturcafé mit Galerie und Bibliothek sollen entstehen. "Das sind sechs eigenständige Einheiten unter der Holding des eingetragenen gemeinnützigen Vereins", so Köhnen. Der untere Teil des Schlosses könne öffentlich genutzt werden, Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. Der Bewerber verpflichte sich auch, alle Auflagen des Denkmalschutzes zu erfüllen, sagte die Rechtsanwältin.Dennoch blieben die Schwanter misstrauisch. Weil die geplante buddhistische Akademie, eine religiöse Bildungsstätte, bei der Vorstellung des vorgesehenen Nutzungskonzeptes nicht erwähnt wurde, warfen sie dem Bewerber mangelnde Offenheit vor. Vertreter christlicher Vereine machten deutlich, dass sie eine massive Einflussnahme der Buddhisten auf die Jugend befürchten. Die Anwältin ließ keinen Zweifel daran, dass das Zentrum auch eine Lehrstätte ist. Hauptziel des Vereins sei jedoch, Menschen konfessionsübergreifend Lebenshilfe anzubieten. Das Buddhistische Zentrum wolle in den nächsten zehn Jahren etwa acht Millionen Mark in das Gelände investieren, sagte Köhnen.Bürgermeister: Dialog fortführenDie Ehrwürdige Gen Kelsang Dechen, spirituelle Lehrerin, bezeichnete die ethischen Grundsätze des Zentrums, das als gemeinnütziger Verein anerkannt ist, mit "Toleranz" und "soziales Engagement". "Buddha steht für Frieden und Harmonie. Ein anderes Anliegen haben wir nicht." Kelsang Dechen lud jeden, der Zweifel an der Arbeit des Zentrums hat, nach Rudow ein, um sich davon zu überzeugen. Bürgermeister Manfred Lehmann, der sich dort bereits umgesehen hat, plädierte dafür, "den christlich-buddhistischen Dialog weiterzuführen". Der "weltliche Aspekt, wer das Schloss bekommt", werde sowieso in Potsdam geklärt.DIPANKARA ZENTRUM In der Religionsgemeinschaft umstritten // Das Dipankara Zentrum vertritt die neue Kadampa-Tradition, die innerhalb des Buddhismus umstritten ist.Der Dalai-Lama als geistliches Oberhaupt wird von den Anhängern der Kadampa-Tradition abgelehnt.Seit 8 Jahren befindet sich das Zentrum in Berlin. Die meisten der 100 Nonnen und Mönche sind Deutsche.