SCHÖNEBERGAuf dem Friedhof in der Friedenauer Stuben rauchstraße 43 haben viele Schriftsteller, Schauspieler, Musiker oder Maler ihre letzte Ruhestätte gefunden. Am Sonntag trafen sich Interessierte zu einer Führung über die Begräbnisstltte."Ich bin, Gott sei Dank! Berlinerin", lautet ein Titel von Marlene Dietrich. Ihr Wunsch war es, an der Seite ihrer Mutter, die in Schoneberg lebte und starb, begraben zu werden. "Meine Mutter, die mir vieles erzählen könnte, lebt nicht mehr. Sie ist kurz nach dem I(rleg gestorben. Wir haben Ihren Sarg aus Schulbänken zusammengezimmert und draußen im Regen gestanden, weil die Kapelle bombardiert worden war", schreibt Marlene Dietrich.Keine Beerdigung mehrSie hat danach nie wieder eine Beerdigung besucht. Ihre bescheidene Ruhestätte liegt heute wenige Meter entfernt von der ihrer Mutter und ist wohl das meistbesuchte Grab des kleinen "Künstlerfriedhofs". "Hier stehe ich an den Marken meiner Tage -- Marlene" ist auf dem unauffälligen Grabstein zu lesen.Wie Marlenes, so ist auch das des Schriftstellers Paul Zech ein Ehrengrab der Stadt Berlin. "Seine Tätigkeit im Ruhrgebiet brachte ihm den Ruf des ,Arbeiterdichters, ein", erklärt Rosemarie Köhler, die Führungen über den 1881 eingeweihten Friedhof leitet. "Erwirb, nicht die junge Freiheit durch Unordnung und Brudermord", zitiert sie den Expressionisten Zech, den "Warner vor politischen Entwicklungen". Von den Nazis vertrlebep, starb er in der argentinischen Emigration.Gleich am Eingang, zwischen den für jeden städtischen Friedhof obligatorischen Kriegsgräbern, ist das relativ, großzügig angelegte Grab des Musikers Feruccio Busoni zu finden. Der Bildhauer Georg Kolbe schuf dafür eine zwei Meter hohe schmale Säule, auf der ein trauernder "Genius" ruht. "Kurt Weill war ein Schüler und glühender Verehrer Busonis", sagt Rosemarie Köhler über den Pianisten, dessen Konzerte immer ausverkauft waren.Keine dieser Grabstätten steht unter Denkmalschutz. Ebensowenig die teilweise sehr aufwendig gestalteten Wandgräber. die die südliche Friedhofsmauer bilden. Wenige Meter hinter der Wand beginnt bereits die dichte Wohnbebauung der Jahrhundertwende.Zur Laubacher Straße hin wird der Friedhof durch das Kolumbartum begrenzt. In dieser 1914 errichteten Urnenhalle ist Platz für 2 000 Urnen. Das zweistöckige Gebäude mit seinen gewolbeartigen Gängen ist einzigartig in Berlin."Feldalleen und Blütenduft vor der Weltstadt Tor -- schöne Häuser, frische Luft, alles findst du vor. Drum: Willst du behaglich leben, billig, gut, sei schlau, laß den guten Rat dir geben -- zieh nach Friedenau", wurde 1971 in einer Werbebroschüre zur Ansiedlung geworben. Nach der Reichsgründung sollte in der aufblühenden Hauptstadt ein neuer Stadtteil für Lehrer, Beamte und Künstler geschaffen werden.Stadtteil feieiztJi~biläum Nicht alle, die kamen, blieben und starben hier. In dem Stadtteil, der 1996 sein I2sjähriges Jubiläum feiert, lebten unter anderem der Maler Karl Schmidt-Rottluff, der Schriftsteller Rainer-Maria Rilke oder der Bildhauer Ernst Barlach. Zu den bekanntesten Künstlern der heutigen zeit, die hier wohnen, gehört der Schriftsteller Günter Grass.Zu den Friedhofsführungen wird am 16. 11 um 14 Uhr (Buß- und Bettag) sowie am 20. 11. um 10 Uhr eingeladen. Treffpunkt ist jeweils der Eingang an der Stubenrauchstraße 43.

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