Schon immer glaubten die Menschen, daß im Dunkeln der Wälder manch Wunderliches auf seine Entdeckung warte. Manchmal ist das auch so. An der Straße von Jüterbog nach Treuenbrietzen taucht kurz hinter dem Ort Altes Lager rechter Hand zwischen Wald und Straße eine Mauer auf, nach einigen hundert Metern erreicht man ein Tor. Dahinter liegt das Reich des Bernd Falz. Auf einem 35 Hektar großen, zuletzt von der Sowjetarmee genutzten Areal hat Falz über 80 ausrangierte Lokomotiven der Reichsbahn sowie früherer DDR-Betriebe zusammengetragen. Fast 6 000 Meter Gleise durchziehen das frühere Munitionsdepot ideal für eine Sammlung dieser Art.Es war im Jahre 1976, als sich der heute 53jährige entschloß, eine Dampflok vor der Verschrottung zu retten. "Ich bin ein paar Meter neben einer Bahnstrecke groß geworden", sagt Falz. Vielleicht war das der Anfang seiner Leidenschaft für Lokomotiven. Nach der ersten Lok ließ den als Unternehmensberater tätigen Falz die Sammelleidenschaft nicht mehr los. Im ehemaligen Bahnbetriebswerk seiner pfälzer Heimatstadt Hermeskeil versammelte er im Lauf der Jahre fast 50 Stahlrösser und zahlreiche Waggons. In den ersten Jahren erwarb Falz nur gut erhaltene, interessante Stücke wie die Schnellzuglok der Baureihe 01 aus den dreißiger Jahren. Als 1989 die Mauer fiel, eröffnete sich ihm ein wahres Dorado. Zunächst wollte Falz der Reichsbahn vier Lokomotiven abkaufen. "Als ich dann von der ersten Reise in den Osten zurückkam, hatte ich nicht vier, sondern 40 Loks erworben", sagt Falz. Danach klapperte er die Bahnhöfe zwischen Wismar und Dresden auf der Suche nach erhaltenswerten Eisenbahnrelikten ab, vor allem nach Dampfloks. Je Lok verlangte die Deutsche Bahn zwischen 15 000 und 30 000 Mark. Bald kam dann der Punkt, erzählt Falz, "da konnte ich es einfach nicht mehr mitansehen, wenn eine alte Lok unter den Schneidbrenner sollte". Von da an kaufte Falz der Bahn fast alles ab. Hauptsache alt, Hauptsache Lok. So kommt es, daß in Altes Lager alleine 24 Exemplare der als "Kriegslok" bekannten Baureihe 52 versammelt sind. Sie sind keine Rarität und meist in sehr schlechtem Zustand. Vielen Eisenbahn-Enthusiasten gilt Falz Sammlung deshalb als "Schrottsammlung" ohne Konzept. Den Einzelkämpfer Falz beeindruckt solche Kritik kaum. "Es geht mir um jede historische Maschine, die bis heute überlebt hat." Es sei ihm klar, daß er seine Loks nicht mehr alle aufarbeiten kann. Er will von den "faszinierenden Maschinen" so viele wie möglich der Nachwelt erhalten. Alles in allem besitzt Falz inzwischen 130 Fahrzeuge. An den Abschluß seiner Sammlung denkt er noch lange nicht. Kürzlich hat er in Bulgarien fünf preußische Schnellzugloks aufgestöbert. "Die hatte es nach dem ersten Weltkrieg dorthin verschlagen." Die Loks sind bereits bezahlt, demnächst werden sie nach Jüterbog gebracht. Die Überführung besorgt Falz am liebsten persönlich mit seiner "Ludmilla", einer Diesellok sowjetischer Herkunft. Falz besitzt einen Lokführerschein und kann bei Bedarf über das DB-Gleisnetz kreuzen. Auf den Gleisen des alten Munitionsdepots sind die Loks der 52er Baureihe zu einer 600 Meter langen Kolonne aufgereiht. Den Anblick der Stahlkolosse, wie sie sich selbst überlassen im Kiefernhain still verrosten, vergißt man so leicht nicht.Das Dampflok-Museum in Aufbau ist dieses Wochenende (8. und 9. August) von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen. Die Zufahrt befindet sich an der B 101 zirka ein Kilometer westlich des Ortes Altes Lager bei Jüterbog. Altes Lager ist auch per Regionalbahn erreichbar. Abfahrt von Berlin-Wannsee: 9.51 und 11.35 Uhr. Rückfahrt: 16.08 und 18.08 Uhr.

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