Die Kassel Huskies stehen vor einem Problem. Ausgerechnet am 13. April, wenn sie das zweite Finalduell um die deutsche Eishockey-Meisterschaft gegen die Mannheimer Adler vor heimischem Publikum bestreiten können, ist ihre Spielstätte besetzt. Schlager-Altstar Udo Jürgens tritt an diesem Abend im Auestadion auf. Ergebnis einer Fehlplanung. Denn in der Huskies-Vorstandsetage hat niemand damit gerechnet, daß an diesem Tag der Puck noch rutschen könnte. Die Saison verlief weitaus erfolgreicher als gedacht. Oder, um eine Anleihe bei Udo Jürgens zu nehmen, " aber bitte mit Sahne".Das Sahnehäubchen wäre natürlich der Meistertitel. Doch im Nordhessischen bevorzugt man mehr die Rolle des Underdogs, der gegen den Vorrundenbesten Mannheim sowieso keine Chance hat. Zumindest öffentlich. Intern läßt Manager Uli Egen schon mal tief ins Herz blicken: "Warum sollten wir nicht nach dem Titel greifen. Die Mannschaft ist motiviert und verschworen." Der Aufschwung der Kasseler Haudegen ist schon beeindruckend. Erst vor 20 Jahren wurde dort das Eishockey so richtig entdeckt, mit dem ESV Jahn beginnt die Geschichte. Doch die Kasseler dümpelten in Zweit- bis Drittklassigkeit dahin, mußten gar in der Saison 1987/88 einen Konkurs über sich ergehen lassen. Erst vor drei Jahren schafften die Hessen den Aufstieg in die Beletage des deutschen Eishockeys. "Wir haben uns Jahr für Jahr gezielt verstärkt", so Kapitän Dave Morrison.Der 34jährige Kanadier kehrte nach einem kurzen Gastspiel bei den Berliner Eisbären zurück, als die Huskies in die DEL aufrückten. In der vorigen Saison stießen der tschechische Torhüter Pavel Cagas, Greg Evtushevski, Venci Sebek, Bruce Eakin und der ehemalige Berliner Anton Krinner hinzu, zuletzt füllten die Huskies ihren Kader mit Roger Öhman, Jouni Vento, Roger Hansson, Jukka Seppo und während der Spielzeit mit den Finnen Marko Sten und Pekka Peltola sowie den Schweden Morgan Samuelsson (Köln) und Robert Burakovsky (Malmö) auf.Der 46jährige Trainer Gerhard Brunner kann für sich in Anspruch nehmen, derjenige deutsche Coach zu sein, der am weitesten oben steht. "Das begreife ich noch gar nicht so richtig", meint der diplomierte Coach und verhehlt nicht, viel von Hans Zach gelernt zu haben. Als dessen Assistent erlebte Brunner 1996 den Aufbruch der Huskies, den die damaligen Berlin Devils erst im Play-off-Viertelfinale recht knapp stoppten. "Da wußte ich, daß wir eine prima Mannschaft beisammen haben", so Brunner. "Deshalb ging ich auch mit großen Hoffnungen in mein erstes DEL-Jahr." Natürlich baut der Coach auf seine ausländischen Führungsspieler wie Verteidiger Greg Johnston, Greg Evtushevski, Roger Hansson oder Mike Millar. Doch mit Alexander Wedl, Toni Krinner, Frank Ozellis und Tino Boos gibt er auch deutschen Aktiven eine ständige Chance. "Es ist leider so, daß deutsche Spieler hintenanstehen. Andererseits spielen derzeit neun ehemalige Schützlinge von mir aus meiner Düsseldorfer Nachwuchs-Trainerzeit in der DEL."Nun also geht es gegen die Mannheimer, den Favoriten. Doch Brunner fühlt sich in der Außenseiterrolle wohl: "Warum soll uns nicht das ganz große Ding gelingen? Die Adler stehen unter Druck, wir haben schon mehr erreicht als erwartet. Gewinnen wir, sind wir die Größten. Verlieren wir, wird auch niemand enttäuscht sein. Schließlich sind wir wenigstens Vizemeister und haben die Europaliga geschafft." Nur daß man am 13. April die eigene Halle brauchen würde, daran hat Brunner nicht gedacht. +++