Der Berliner Eishockey-Verein Preussen steht vor dem Aus. Es gilt aber das abgewandelte Bonmot "Die Preussen sind tot, es leben die Preussen". Der erst vor 22 Tagen gewählte Vorstand legte am Freitag die Karten offen auf den Tisch und bezifferte die aktuellen Verbindlichkeiten auf mindestens 3 Millionen Mark. Präsident Axel Banghard stellte aber zugleich Lösungsmöglichkeiten vor."Eine Sanierung des Vereins ist unwahrscheinlich", so der 29jährige Unternehmer, "denn dazu müßte jemand in den nächsten 48 Stunden die Schulden übernehmen, die aus der Arbeit des alten Präsidiums unter Herrmann Windler resultieren." Vom ehemaligen Preussen-Chef, der den Verein seit der Gründung zwölf Jahre führte, wird erwartet, daß er einen erheblichen Beitrag zur Rettung des Spitzen-Eishockeys in Berlin leistet. Ihm wird vorgeworfen, daß er den Verein rechtlich und wirtschaftlich "ausgehöhlt" hat. Hermann Windler war am Freitag nachmittag zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Vermarktung verhindert "Windler hat bei der Wahlversammlung am 4. Mai öffentlich erklärt, daß er auf seine Rechte aus einem bis zum 31. 12. 2000 bestehenden Globalvertrag zwischen seiner Firma ,Sportwerbung in Berlin` und dem BSC Preussen verzichtet", so Banghard. "Doch bisher gibt es nichts Schriftliches. Es war noch nicht möglich, ihn zu einer offenen und konstruktiven Zusammenarbeit zu bewegen." Herrmann Windler hat diese Verträge mit sich selbst geschlossen. Außerdem gab der Ex-Präsident ein falsches Bild von der tatsächlichen Finanzsituation des Vereins per 31. Dezember 1994. Der geringe Fehlbetrag von 271 000 Mark ergab sich daraus, daß er zu erwartende Einnahmen von Zuschauern und aus der Vermarktung da schon abgezogen hatte.Wie kompliziert die ganze Sache ist, wurde gestern bei der Bekanntgabe der Fakten deutlich. Neben dem gesamten Vorstand waren noch ein Wirtschaftsprüfer und drei Rechtsanwälte dabei, um alles erklären zu können. Tatsache ist, daß die Verträge mit Windler und allen sich daraus ergebenden Verbindlichkeiten eine Vermarktung des BSC Preussen verhindert."Wir haben zahlreiche Sponsoren, die ihre Unterstützung sogar erweitern würden", erklärte Schatzmeister Alfred Weiss. "Sie geben ihr Geld aber nur, wenn damit nicht die alten Rechnungen beglichen werden." Preussen Devils kommen Deshalb sollen am Montag zwei neue Vereine gegründet werden. Die "Preussen Devils Eishockey GmbH" wird das Zuhause für die Profimannschaft werden und in der DEL spielen. Dorthin sollen alle Spieler übernommen werden. Sie haben "Vertrauen in den neuen Vorstand, obwohl sie im Februar zum letzten Mal Gehalt erhielten", wie Sportdirektor Stefan Metz erklärte. Aber auch hier gibt es Probleme, denn Windler besitzt die Rechte an zahlreichen Spielern, die davon gar nichts wissen. Über die rechtliche Lage muß ebenfalls noch gesprochen werden. Unabhängig davon soll der Eishockeyclub Preussen Devils e. V. entstehen, wo die anderen Teams ihre Heimat finden sollen. Alle BSC-Angehörigen können dort ohne Aufnahmegebühr Mitglied werden und bleiben ein Jahr beitragsfrei, wenn sie ihr Geld schon im alten Verein entrichtet haben."Wir haben Glück im Unglück", meinte Rechtsanwalt Dr. Joachim Börner, der sich mit Norbert Hiedl um die rechtliche Seite des Vereins kümmert. "Die DEL GmbH ist selbst im Umbruch, so daß wir mit der Lizenz noch nicht unter Zeitdruck stehen. Es gibt noch gar keine Antragsformulare. Wir sind aber sicher, daß es Spitzen-Eishockey auch in der nächsten Saison in der Jaffestraße geben wird." Bis die Preussen Teufel aber auf Puckjagd gehen, ist bei den Preussen in den nächsten Tagen bestimmt noch der Teufel los. +++