BERLIN. Wenige Monate vor dem Papst-Besuch in Deutschland ist die Evangelische Kirche auf deutliche Distanz zu den Katholiken gegangen. "Ich habe im Moment keine Idee, wie ich als Protestant einen positiven Zugang zum Papstamt und dem Anspruch, der damit verbunden ist, finden soll", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, der Berliner Zeitung. "Unser Verständnis des Amtes und der Kirche unterscheidet sich doch sehr von dem der Katholiken."Es irritiere ihn tief, dass die römisch-katholische Kirche sich nicht nur als Kirche, sondern auch als Staat verstehe, sagte der Präses. "Die Kirche als staatliches Organ - das geht gegen unser Bekenntnis."Die Papstreise und die geplante Rede Benedikts XVI. im Bundestag bezeichnete Schneider als Staatsbesuch. Er zeigte sich skeptisch, dass es unter diesen Vorzeichen zu einer Begegnung zwischen ihm und dem Papst kommen werde. "Wenn der Papst als Staatsoberhaupt kommt, wird er die Bundeskanzlerin und den Bundespräsidenten treffen."Wulff: Gesellschaft braucht RespektBundespräsident Christian Wulff ruft in seiner Weihnachtsansprache zu Respekt vor den verschiedenen Lebensentwürfen der Menschen auf. "Unsere Gesellschaft ist frei und bunt", sagt er in der Ansprache, die am 25. Dezember abends von ARD und ZDF ausgestrahlt wird. "Wir leben in verschiedenen Lebenswelten, wir sind unterschiedlich, was unsere Herkunft angeht, unsere Religion, unsere Bildung und unsere Träume vom Glück."Damit eine so vielfältige Gesellschaft Bestand haben könne, sei vor allem Respekt nötig. Respekt müsse es für Kinder und ihre Bedürfnisse ebenso geben wie für Mütter und Väter und deren Leistung, fordert Wulff. Die Gesellschaft müsse von Zusammenhalt, Verständigung und Miteinanderauskommen geprägt sein. "Jeder muss spüren: Ich gehöre dazu, ich werde gebraucht."Der Bundespräsident betont die internationale Verantwortung Deutschlands und erinnert an die Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfer, die im Ausland den Frieden sicherten. "Wir zeigen Solidarität und sind bereit, auch künftig Verantwortung zu übernehmen - auch in Europa." Mahnend setzt er aber hinzu: "Wir erwarten von unseren Partnern das Gleiche." Zugleich bekräftigt er: "Wir haben Vertrauen in die europäische Einigung."Leitartikel Seite 4, Politik Seite 6