US-Wissenschaftlern ist es gelungen, Ratten fernzusteuern. Die Forscher um Sanjiv Talwar von der State University in New York pflanzten den Tieren Elektroden in das Belohnungszentrum des Gehirns sowie in Hirnareale, in denen Informationen der rechten und der linken Schnurrbarthaare verarbeitet werden. Die Elektroden waren mit einem Stimulator verbunden, den die Ratten auf dem Rücken trugen. So konnten die Forscher per Fernbedienung elektrische Reize ins Hirn der Ratten schicken. Stimulierten sie das Belohnungszentrum der Tiere, liefen diese vorwärts. Wurde der Hirnbereich stimuliert, der mit den rechten Schnurrbarthaaren verbunden ist, wandten sie sich nach rechts; traf der Reiz im linken Schnurrbartareal ein, schwenkten sie nach links. Zunächst wurden die Tiere in einem abgesteckten Parcours trainiert. Nach zehn Unterrichtsstunden waren sie in der Lage, sich mithilfe der elektrischen Signale auch im freien Gelände zielgerichtet fortzubewegen. Aus bis zu fünfhundert Meter Entfernung dirigierten die Forscher die Ratten durch Röhren, über schmale Bretter und schiefe Ebenen. Sie brachten die Tiere aber auch dazu, Leitern hochzuklettern, von Bäumen zu springen oder sich durch Gegenden zu bewegen, die sie eigentlich nicht mögen - etwa hell erleuchtete, offene Flächen.Talwar und seine Kollegen möchten die ferngesteuerten Ratten eines Tages als Minispürhunde in Katastrophengebieten einsetzen. Im Labor durchsuchten die Tiere bereits große Haufen Betonbrocken systematisch, wenn ihr Gehirn entsprechend stimuliert wurde. (kat.)Nature, Bd. 417, S. 37