Wenn Dirk Gieseke über Schulsenator Jürgen Zöllner spricht, verschärft sich sein Ton. Es sind diese neuen Reformvorschläge, die diskutiert werden, nämlich den Zugang zum Gymnasium per Numerus Clausus zu erschweren. "Das ist doch der Weg in die Zweiklassengesellschaft", sagt er. Eine Gesamtschule kommt für den Vater nicht in Frage, weil das Niveau dort schlechter sei. Die zehnjährige Tochter soll bald auf ein gutes Gymnasium, etwa das Canisius-Kolleg. Doch die Eltern sorgen sich, ob sie das schafft. "Seien wir doch ehrlich, die Zukunft der Kinder hängt stärker denn je vom Geldbeutel und von der sozialen Herkunft ab."Um die beste Schullaufbahn für ihre beiden Kinder zu sichern, sind die Giesekes am Sonntag ins Maritim Hotel gekommen. Mit ihnen mit rund 20 weitere Familien, meist mit ihren Kindern. Sie wollten sich dort über Privatschulen kundig machen. Eingeladen hat ein Privatunternehmen, die Euro-Internatsberatung, die Schüler über das Angebot von rund 300 Internaten in Deutschland und im Ausland informiert. Man wirbt mit individueller Förderung von Talenten, mit kleineren Klassen und bilingualer Ausbildung im In- und Ausland.Die Giesekes blicken skeptisch auf das Anmeldeformular. Monatlich müssten sie für ein Internat in Deutschland zwischen 400 und 2 200 Euro zahlen. Die günstigsten Privatschulen liegen in Bayern, weil es dort Zuschüsse vom Land gibt. "Wir wollen uns über alles informieren und Auslandsoptionen im Auge behalten", sagt Vater Gieseke.Connie Hasenclever leitet das Berliner Büro der Euro-Internatsberatung. Sie sagt, das sie monatlich rund 50 Anfragen erhält. "Und es werden mehr." Den Grund sieht sie in der steigenden Unzufriedenheit mit den Zuständen an staatlichen Schulen. "Eltern beschweren sich über zu große Klassen oder Unterrichtsausfälle", sagt sie.Eine Mutter aus Zehlendorf lässt sich mit ihrer Tochter beraten. Sie blättern in einem Hochglanzkatalog von King's Bruton - einem Elite-Internat, das einer Festung gleicht und Schülern auf dem Land Abwechslung mit Golf- und Malkursen verspricht. "Sie lernt dort das beste Englisch", sagt die Mutter und die Tochter nickt. Sie sind kurz vor der Vertragsunterzeichnung. Rund 15 000 Euro werden in das Auslandshalbjahr des einzigen Kindes investiert. Für Dirk Giesekes Tochter sind Internate hingegen eine schreckliche Vorstellung. "Sie denkt an Gefängnis und möchte lieber bei ihren Freundinnen bleiben", sagt der Vater.