In der Erpelgrund-Schule im Reinickendorfer Ortsteil Heiligensee findet ab heute kein Unterricht mehr statt - in dem Schulgebäude aus den 1970er-Jahren wurde Asbest gefunden. Betroffen sind 182 Schüler aus acht Klassen der Stufen 4 bis 6. Da die Schule mit der benachbarten Heiligensee-Grundschule fusionieren soll, wurden dort in den vergangenen Jahren keine ersten Klassen mehr aufgenommen. Als gemeinsamer Standort ist die Erpelgrund-Schule vorgesehen.Das Bezirksamt Reinickendorf teilte mit, bei der Sanierung sei in einem Toilettenstrang an der Verkleidung eines Entrauchungs- kanals asbesthaltiges Material festgestellt worden. Ein deshalb in Auftrag gegebenes Gutachten empfehle nun, dass die asbesthaltigen Materialien entfernt werden. Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes werde deshalb in den Räumen der Erpelgrund-Schule bis auf Weiteres kein Unterricht mehr stattfinden."Als vergangene Woche die Asbestplatten gefunden wurden, haben wir ein Gutachten beauftragt und eine Raumluftmessung veranlasst", sagte Baustadtrat Frank Balzer (CDU). Die Messung habe ergeben, dass die Luft nicht mit Asbest belastet ist, für die Kinder bestand demnach keine Gefahr. Das Gebäude sei schon mal in den 1980er-Jahren asbestsaniert worden.Bildungsstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) sucht jetzt nach Räumen in der Nähe der Schule, in denen die Schüler ab Montag unterrichtet werden können. In der benachbarten Heiligensee-Grundschule sei kein Platz. "Die ist schon proppenvoll", so Schultze-Berndt. Die Betreuung der Erpelgrundschüler sei trotzdem gewährleistet, hieß es beim Schulamt. Lehrer hätten gestern noch Unterrichtsmaterialien aus dem Gebäude holen können und würden bis zum Ende der Woche Wandertage und Ausflüge mit den Schülern unternehmen - das Wetter sei ja gut.Baustadtrat Balzer geht davon aus, dass die Schule bis zu den Sommerferien nicht mehr genutzt werden kann. Nur die Turnhalle stehe noch zur Verfügung. "Wir werden jetzt erst mal einen Gutachter beauftragen, der das gesamte Gebäude auf Asbest durchcheckt", sagte er. Dies hatte die Gesamtelternvertretung der Heiligensee-Grundschule, deren Schüler in die Räume der Erpelgrund-Schule ziehen sollen, schon länger gefordert. Die Eltern hatten Anfang Juni auf eigene Kosten einen Gutachter in die Schule geschickt. Der stellte fest, dass dort Asbest vorhanden ist, aber in einem Zustand, der nicht gesundheitsgefährdend ist. "Wir fühlen uns jetzt in unseren Befürchtungen bestätigt", sagte Andrea Behnke, Vorsitzende des Gesundheitsausschusses der Gesamtelternvertretung.