Der Tatort aus „Freiburg“: Gen Z gegen Boomer

Weltuntergang, Weltreise, Weltschmerz: Die Freiburger Kommissare ermitteln im reichlich klischeebeladenen Milieu der Generation Z.

Diskussionen am Küchentisch der Patchwork-Familie: Paul (Christian Schmidt) und Miriam (Susanne Bormann) versprechen ihren Kindern Benno (Aniol Kirberg) und Zoe (Caroline Cousin) ihre Unterstützung. 
Diskussionen am Küchentisch der Patchwork-Familie: Paul (Christian Schmidt) und Miriam (Susanne Bormann) versprechen ihren Kindern Benno (Aniol Kirberg) und Zoe (Caroline Cousin) ihre Unterstützung. Benoît Linder/SWR

Die sogenannte „Generation Z“ kommt derzeit in vielen Umfragen und Studien nicht allzu gut weg: Sie sei leistungsschwach, illoyal gegenüber ihren Arbeitgebern, stelle aber gern große Forderungen und halte sich für moralisch überlegen.

Auch Christopher, der tot aus einem Wehr am Rhein gezogen wird, gehört zu dieser Generation, geboren zwischen Mitte der Neunziger und Mitte der Nullerjahre, und er scheint alle Vorurteile und Zerrbilder zu bestätigen.

Die Lehre als Automechaniker hatte er geschmissen, angeblich, weil er nicht länger an „Verbrennern“ arbeiten wollte – dafür war er nachts als Drogenkurier unterwegs. Die Mutter (Dalila Abdallah) ahnte nichts vom geheimen Leben ihres Sohnes.

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Die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) suchen lange nach einem Freund des Ertrunkenen: Benno (Aniol Kirberg) schwänzt die Schule, weil er „Migräne“ habe und rast lieber nachts mit dem Elektroroller umher. Nach einem Sturz legt er den blutigen Pullover daheim einfach in die Wäsche. Statt für das Abi zu lernen, spekuliert er mit seiner Freundin Zoe (Caroline Cousin) auf den Anstieg einer Kryptowährung und fordert von seinem Vater viel Geld für einen VW-Bulli für eine Weltreise. Seine anmaßende Begründung: „Ich will die Welt noch mal sehen, bevor sie untergeht.“ Der Vater (Kai Ivo Baulitz) erwartet aber zuerst ein ordentliches Abi und fragt, ob ein alter Dieselbus wirklich umweltverträglich sei.

YouTube-Star durch riskante Mutproben

Auch die beiden Ermittler, gut 30 Jahre älter als die Verdächtigen, müssen hier wie genervte Erziehungsberechtigte agieren und fragen sich mitunter: Wie würden wir als Eltern reagieren? Während Berg eher die autoritäre Strategie favorisiert, muss sich Kollegin Tobler ganz praktisch mit ihrer renitenten Nichte Nessie (Lola Höller) auseinandersetzen, die bei ihr aufschlägt, weil ihre Eltern gerade so „scheiße“ seien. Auch sie verkörpert einiges von dem, was Ältere der Generation Z gern zuschreiben: Sie will eine Karriere als Youtuberin aufbauen und lässt sich dafür bei riskanten Mutproben filmen. Tobler regt an, einen Business-Plan aufzustellen und bringt abends Pizza mit Käse mit – die die Veganerin Nessie natürlich empört ausschlägt.

Insgesamt wirkt dieses Spiel mit dem Generationenkonflikt eher konfrontativ und krampfig – auf beiden Seiten werden zu viele Klischees bemüht. Die Autorin Astrid Ströher erzählt ihre Story sehr von oben herab, rein aus der Perspektive der Eltern, abzulesen schon am Titel „Das geheime Leben unserer Kinder“. Regisseur Kai Wessel zeigt die parallelen Welten gern in geteilten Bildschirmen. Doch diese Split-Screens verstärken noch die gereizte, nervöse Stimmung dieses Freiburger „Tatorts“, der weder den Eltern noch den Kindern wirklich nahekommt. Anders als im Kieler Fall gibt es diesmal keine zentrale Figur, die Aufmerksamkeit und Empathie auf sich zieht. So war Caroline Cousin vor einer Woche allein mit ihrer Stimme präsenter als diesmal mit ihrem Spiel vor der Kamera. Nachdem sich der Freiburger Krimi recht lange vorangeschleppt hat, zieht er zum Finale plötzlich an und mündet in einem ziemlich unvermittelten, unmotivierten Showdown mit vielen Schüssen.

Tatort: Das geheime Leben unserer Kinder. Sonntag, 14. Mai, 20.15 Uhr, ARD