Es kommt nicht allzu häufig vor, dass staatliche Bauvorhaben billiger werden als geplant. Die Verlängerung der U-Bahn-Linie 2 nach Pankow, die am Sonnabend eröffnet werden soll, wird aller Voraussicht nach zu den seltenen Ausnahmen gehören. "Wir gehen davon aus, dass die Baukosten mindestens zehn Prozent unter den veranschlagten 126 Millionen Mark liegen", sagte ein Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zur "Berliner Zeitung". Nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wird die Strecke sogar nur 105 Millionen Mark kosten. Damit profitieren der Bund, der drei Viertel der Ausgaben trägt, und das Land Berlin vom Wettbewerb in der Baubranche: je größer die Konkurrenz, um so günstiger die Angebote.Gespart wurde auch beim Innenausbau des U-Bahnhofs Pankow, der künftigen Endstation der Linie U 2. Auf dem Bahnsteig wurde ein Teil der Farbeffekte mit einem einfachen blauen Anstrich erreicht. Andere Materialien sollen dafür sorgen, dass die Betriebskosten möglichst gering ausfallen. "Den Boden haben wir nicht asphaltiert, sondern mit Platten ausgelegt. Dadurch können Kaugummis viel einfacher entfernt werden", sagte der Senats-Ingenieur. Auf dem U-Bahnhof, den der Architekt Orlando Figallo entworfen hat, bedecken weiße Fliesen aus gehärtetem Glas einen großen Teil der Wände. Sie bieten Farbschmierereien keinen Halt. Stau auf den Straßen bleibt Der 208,50 Meter lange neue Tunnel und das 183 Meter lange Bahnhofsbauwerk sind fertig. Am Montag begann dort der Probe-Zugbetrieb. Doch ein wichtiges Detail fehlt bislang. Während der Aufzug zum Bahnsteig wie geplant am Sonnabend in Betrieb geht, lässt der Fahrstuhl vom Erdgeschoss zum darüber liegenden S-Bahnsteig auf sich warten. Denn der S-Bahnhof gehört nicht dem Land, sondern der Deutschen Bahn - das führte zu einigen "Schwierigkeiten", hieß es. Dagegen fragen sich viele Fahrgäste, ob der U-2-Abschnitt zwischen Vinetastraße und Senefelderplatz rechtzeitig bis Sonnabend fertig wird und der unbequeme Schienenersatzverkehr pünktlich endet. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hatten das Teilstück am 10. Juli gesperrt, um die beiden Rampen zum Hochbahnviadukt abzureißen und neu zu bauen. Noch immer wird unter Zeitdruck gearbeitet, blockieren Maschinen die Trasse. Auch auf den Bahnhöfen bleibt viel zu tun. Dort wird noch am Bodenbelag gearbeitet, auch die Technik ist nicht überall schon komplett. "Es wird knapp. Doch wir schaffen den Termin", sagte ein Bau-Unternehmer. Einige Firmen haben eine zweite Schicht angesetzt, andere arbeiten "rund um die Uhr". BVG-Sprecherin Barbara Mansfield versicherte: "Wir werden pünktlich fertig." Am Sonnabend kurz nach 12 Uhr soll der erste Zug starten. Zum Trost für die Fahrgäste, die während der Sanierung auf Busse und Straßenbahnen ausweichen müssen, gilt an diesem Tag der Nulltarif - aber nur von Pankow bis Senefelderplatz. Danach stehen allerdings noch zahlreiche Schönheitsreparaturen und "Restarbeiten" an, hieß es bei der BVG. Dies bekommen vor allem die Autofahrer zu spüren. Die Schönhauser Allee bleibt an der Südrampe zum Hochbahnviadukt noch mindestens bis zum 15. Oktober verengt. So lange steht dort zeitweise nur eine Fahrspur pro Richtung zur Verfügung. Die Berliner Straße soll sogar bis in den November hinein eine Staufalle bleiben. Erst dann kann die BVG dort ihre provisorische Tramtrasse abbauen, die sie Ende Juni eingerichtet hatte.Die Angaben, wie viele Fahrgäste pro Tag die neue U-Bahn nutzen werden, gehen weit auseinander. 1995 erwartete die BVG eine maximale Belastung von 18 000 Reisenden und maß der Strecke eine "verkehrlich geringe Bedeutung" zu.Grüne: Andere Strecken wichtigerHeute spricht das Unternehmen offiziell von rund 30 000 Passagieren täglich. Beim ersten Rammschlag am 13. Juni 1997 sprach der damalige Senator Jürgen Klemann (CDU) sogar von 40 000 Reisenden. Der neue Bahnhof Pankow werde ein wichtiger Knotenpunkt zwischen der U- und S-Bahn sein. Außerdem bekomme das Zentrum des Bezirks endlich eine U-Bahn-Verbindung zum Alexanderplatz und zum Bahnhof Zoo. Dies hatten die Pankower schon 1905 gefordert. Dennoch ist die Verlängerung der U 2 für Michael Cramer, den verkehrspolitischen Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, nicht nur ein Grund zur Freude: "Diese Strecke verläuft parallel zu drei Straßenbahnlinien. Andere Bauvorhaben wären wichtiger gewesen, zum Beispiel der Lückenschluss zwischen Uhlandstraße und Adenauerplatz."Nulltarif zur Einweihung // Premierenfahrt: Am Sonnabend um 12. 01 Uhr soll auf dem neuen U-Bahnhof Pankow der erste Zug nach Ruhleben auf die Reise geschickt werden. Damit werden die Verlängerung der Linie U 2 und die 170. Berliner U-Bahn-Station eröffnet. Zugleich geht der Streckenabschnitt Senefelderplatz-Vinetastraße, der am 10. Juli zwecks Sanierung gesperrt wurde, wieder in Betrieb.Fest: Auf dem Garbaty-Platz vor dem U- und S-Bahnhof Pankow feiert die BVG zwei Tage lang den Abschluss der Bauarbeiten. Am Sonnabend von 11 bis 22 Uhr spielen dort das BVG-Orchester, die Country-Band Mitch n Gang und die Band Walczock auf. Am Sonntag von 11 bis 20 Uhr folgen die Blue Babas, Ute Seeger und "Das Dütt" - nach eigenen Angaben die kleinste Bigband der Welt.Nulltarif: Am Sonnabend von 12 bis 24 Uhr kann die U 2 zwischen Pankow und Senefelderplatz gratis genutzt werden.Nostalgiezug: Reisen wie vor mehr als 70 Jahren - auch dies ist am Sonnabend auf der Linie U 2 möglich, und zwar ohne Aufpreis. Der älteste betriebsfähige U-Bahn-Zug Berlins pendelt von 13 bis 19 Uhr zwischen Pankow und Alexanderplatz. Es ist der 1925/26 gebaute "A 1", den die Arbeitsgemeinschaft Berliner U-Bahn restauriert hat.Geschichte: Bereits 1905 forderte die Gemeinde Pankow einen U-Bahn-Anschluss. In den zwanziger Jahren begannen Planungen für die Strecke, die bis zur Breiten Straße führen sollte. Doch zunächst wurde nur der Abschnitt bis zum heutigen Bahnhof Vinetastraße gebaut und 1930 eröffnet. Erst 1997 begannen die Bauarbeiten für das folgende Teilstück, das nun zum U-Bahnhof Pankow führt. 391,50 Meter wurden neu gebaut, mehr als 400 Meter gab es bereits. Die 600 Meter lange Erweiterung bis Pankow, Kirche gilt als "langfristige Maßnahme". Bau: nach 2010.Neue Straßenbahnverbindung: Am 29. September um 14 Uhr wird in Pankow eine weitere Trasse eröffnet: die 1,6 Kilometer lange Erweiterung der Straßenbahnlinie 50 zur Guyotstraße in Französisch-Buchholz. Um Lärm und Vibratio- nen zu verringern, wurden in den Kurven Schienenschmieranlagen und auf einem 150 Meter langen Abschnitt ein schwingungsgedämpftes Gleis eingebaut.BERLINER ZEITUNG/MICHAEL BREXENDORFF Reinigungskräfte polieren den neuen U-Bahnhof Pankow auf. Am Sonnabend um 12. 01 Uhr soll hier der erste Zug nach Ruhleben starten.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.