Stéphane Hessels Bestseller "Empört Euch" ist der gelungene Fall einer erbaulichen Empörung. Man hat dem Autor gesagt, Empörung sei nicht genug, man müsse sich auch engagieren. Darauf antwortete er: Völlig richtig, aber fangen wir doch einfach mal an mit der Empörung. Seit gestern liegt von Stéphane Hessel in den französischen Buchhandlungen "Engagez-vous!" Der 25-jährige Gilles Vanderpooten hat den 93-jährigen Hessel interviewt. Das Interview ist nun als Buch erschienen in den éditions de l'aube (95 Seiten, 7 Euro).Wofür soll man sich heute engagieren? Für mehr Gerechtigkeit ist Hessels erste Antwort. Der Abstand zwischen Reich und Arm - sowohl zwischen reichen und armen Ländern, wie auch der zwischen Reich und Arm in den Ländern - ist in den letzten Jahrzehnten gewaltig gewachsen. Zum Engagement dagegen ruft Hessel auf. Er weist darauf hin, dass das eine viel, viel schwierigere Aufgabe ist, als es sein Engagement in der Résistance war: "Damals schloss man sich einer Widerstandsgruppe an und sprengte einen Zug in die Luft ... Das war relativ simpel! Heute kann man hoffen, die Dinge zum Besseren zu entwickeln, in dem man nachdenkt, schreibt, am demokratischen Prozess der Wahl der Regierenden teilnimmt. Kurz gesagt: eine Aktion auf lange Sicht."Wofür soll man sich heute noch engagieren? Für die Erhaltung des Planeten, für die Erhaltung der Erde, auf der und von der wir leben. Auch hier ist wie in der Wirtschaft für Stéphane Hessel die entscheidende Neuerung, dass das Engagement heute nicht mehr national - Frankreich muss gegen einen Eroberer verteidigt werden -, sondern nur noch international sein kann. Ein Weltbürgertum ist gefragt. Er nennt es "civisme global". Ohne eine ökologische Wende der Landwirtschaft, sagt er, wird die Menschheit, die in den nächsten Jahrzehnten die 10- Milliarden-Grenze überschreiten wird, nicht ernährt werden können. Hessel weist darauf hin, dass in der von ihm so verehrten Universellen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948, das Wort "Erde" nicht vorkommt. "Damals fehlte jedes Bewusstsein von den Risiken einer übertriebenen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen."Die Gefahr, dass die junge Spezies Homo sapiens sich selbst den Garaus macht, sagt Hessel, ist riesig, aber wir können auch unseren Verstand benutzen und "dann bietet uns dieser kleine Planet noch wunderbare Aussichten".------------------------------Foto: Stéphane Hessel