Gerd Müller lässt nicht los. Gerade hat ihm eine Narkoseärztin vom Roten Kreuz berichtet, wie sie von Macheten übel zugerichtete Menschen versorgt hatte. Der Entwicklungsminister nimmt ihre Hand, hält sie fest. Ein Minute, zwei Minuten – die Ärztin schaut leicht irritiert, doch Müller verharrt in dieser Haltung. Er fragt immer wieder nach, dankt schließlich der deutschen Medizinerin überschwänglich: „Es ist toll, was Sie hier leisten.“ Später streicht er in einem Flüchtlingslager in der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik vielen Kindern über den Kopf, schüttelt unzählige Hände. Er hat das Programm umwerfen lassen, um das Lager besichtigen zu können. Nun stapft er durch Staub und Gestank, spricht mehrere Flüchtlinge an, hört aufmerksam zu.

So ein Besuch kann peinlich wirken, doch Müller meistert die Situation souverän. Er biedert sich nicht an, findet die richtigen Worte, seine Anteilnahme ist ungekünstelt. „Hier sitzt Müller, nicht Niebel“, hatte der Minister zu seinem Amtsantritt gesagt. Bei Reisen nach Zentralafrika oder Jordanien, wo er syrische Flüchtlingslager besuchte, zeigt er, was er damit meint: Das Ministerium wird nicht mehr geführt von einer kaltherzigen FDP, nicht mehr geführt von einem Minister, der Entwicklungshilfe lediglich als Türöffner für die Wirtschaft betrachtet hat. Und seit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) laut über neue Kampfeinsätze der Bundeswehr in Afrika nachgedacht hat, hat Müller eine regelrechte Mission: Gut gemachte Entwicklungshilfe kontra Militäreinsatz. Friedensministerium nennt er sein Ressort.

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