Die Parkgebühren sollen in den kommenden Jahren zum Teil erhöht werden. Zugleich soll die Zahl der Parkplätze im Stadtzentrum sinken. Dafür erhalten das Messegelände und der Kurt-Schumacher-Platz Straßenbahn-Anschluss. Das sieht der Diskussionsentwurf zum künftigen Stadtentwicklungsplan Verkehr vor. Eine Projektgruppe der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat den Katalog erarbeitet, der unter dem Titel "Zukunft, Stadt, Verkehr" 56 Maßnahmen vorschlägt. Verbindlich ist er jedoch noch nicht. Die Debatte um diesen Zukunftsplan hat erst vor kurzem begonnen. Außerdem soll das geplante Verkehrskonzept vor allem "mittelfristige" Ziele festlegen - also für die Zeit nach 2005. Im Diskussionsentwurf heißt es, dass in allen gemischt genutzten Gebieten der Innenstadt sowie in Bezirkszentren Parkgebühren verlangt werden sollten - auch auf Ämterparkplätzen. Ziele: die Verringerung des Dauerparkens und die Erleichterung des Wirtschaftsverkehrs. Vorgeschlagen wird auch die "Erhöhung und Differenzierung der Parkgebühren": Wo die Nachfrage groß ist, soll mehr Geld kassiert und die Parkdauer befristet werden. Die Planer sagen aber nicht, wie viel das Parken künftig kosten soll.In den einbezogenen Gebieten soll die Zahl der Parkplätze um 25 Prozent sinken. Fünf Prozent der Plätze würden für gemeinschaftlich genutzte Autos reserviert ("Car Sharing"). Dagegen wird die Zahl von Park-and-Ride-Plätzen "nur geringfügig erhöht". Die Planer wollen nur noch lärmreduzierte und schadstoffarme Lkw in die City lassen und den Anteil der Tempo-50-Straßen von rund 30 auf 25 Prozent senken. Dafür sei eine "begrenzte Erweiterung der Tempo-30-Zonen" vorgesehen. Das Brandenburger Tor wird für Autos geschlossen.Für Radler werden neue Velorouten gebaut - 600 Kilometer. Fußgänger erhalten mehr Zebrastreifen, breitere Gehwege und an Ampeln länger grünes Licht. Stadtautobahn nach TreptowAllerdings sind auch neue Straßen geplant - unter anderem die Verlängerung der Französischen zur Ebertstraße, eine Ost-West-Verbindung von Alt-Moabit über das Kapelleufer zur Reinhardtstraße sowie (bis 2015) die Weiterführung der Stadtautobahn bis Treptow. Zwischen Frankfurter Allee und Beusselstraße sollten Stadtstraßen zu Teilen des Rings ausgebaut werden. Bis 2015 müsse zudem die Altstadt Köpenick eine Nordumfahrung erhalten. Das Schienennetz soll durch eine "Nahverkehrstangente" entlang des östlichen Außenrings ergänzt werden. Die U-Bahn-Linien U 5 und U 9 werden auf vollautomatischen Betrieb umgestellt, der Nachtverkehr wird ausgedehnt - unter anderem auf die U 2. Die Straßenbahn kehrt in größerem Umfang als bisher geplant in die Westbezirke zurück. Vorgesehen sind neue Strecken vom Eckernförder Platz (Wedding) zum Messegelände und eine "Nordtangente". Sie soll von Rosenthal durch das Märkische Viertel zum Kurt-Schumacher-Platz, nach Jungfernheide und Moabit führen.Zukunftskonzept // Vorrang für den Nahverkehr: Diesen Grundsatz wollen Stadtentwicklungssenator Peter Strieder und Staatssekretärin Maria Krautzberger (beide SPD) verfolgen. Berlin müsse aber für den Wirtschafts- und den übrigen Straßenverkehr funktionsfähig bleiben.Der Stadtentwicklungsplan Verkehr soll die Richtung der Berliner Verkehrspolitik festlegen. 1994 begannen die Arbeiten an dem Zukunftskonzept, doch Grundsatzstreit blockierte die Debatte immer wieder. Nun startete der Se- nat einen neuen Anlauf. Ein "Runder Tisch" mit Vertretern vieler Verbände hat zweimal getagt.Der Diskussionsentwurf vom 6. Oktober schlägt nicht nur neue Bahnen und Straßen oder die Beschleunigung von 270 Kilometern Buslinien vor. Wichtig auch: Werbung für den "Umweltverbund" (Fußgänger-, Rad-, Nahverkehr), Mobilitätsberatung, "Aktionstage".BERLINER ZEITUNG/GEORGE KALOZOIS Gedränge am Hackeschen Markt: Planer wollen die Tram ausbauen und Durchgangsverkehr umleiten.