LUXEMBURG, 18. Mai. Der seit Sonntag von mehreren hundert Polizisten gesuchte mutmaßliche fünffache Todesschütze aus Dillingen im Saarland hat sich am Dienstag kurz vor seiner Festnahme in einem Hotel in Luxemburg selbst erschossen. Dies gab ein Sprecher der Staatsanwaltschaft des Großherzogtums bekannt. Ewen habe sich in seinem Zimmer in dem Vorort Strassen verbarrikadiert gehabt, als um 15 Uhr mehrere Polizisten die Tür mit einem Stemmeisen aufgebrochen und Tränengasgranaten in den Raum geworfen hätten. In dem Moment habe der Deutsche seine Pistole auf die Schläfe gerichtet und abgedrückt. Die Polizei habe keinen Schuß abgegeben und den 36jährigen tot aufgefunden. Ermittlungskreisen in Ostfrankreich zufolge identifizierte die saarländische Polizei den Toten unterdessen einwandfrei als Günter Hermann Ewen. Er soll bei einem Amoklauf am Sonntag im Saarland und in Lothringen fünf Menschen erschossen und elf andere verletzt haben.Der Portier rief die PolizeiNach Auskunft der Luxemburger Staatsanwaltschaft war der 36jährige am Montag morgen in dem kleinen Hotel "Mon Plaisir" eingetroffen, das nahe der Autobahn Luxemburg Brüssel liegt. Am Dienstag habe der Portier die Polizei alarmiert, weil er den Gesuchten auf einem Fahndungsfoto erkannt habe. Aus Polizeikreisen hieß es, der Gesuchte habe sich offenbar mit dem letzten verbliebenen Schuß seines Revolvers getötet.Begonnen hatte der Amoklauf in der Nacht zum Sonntag in einer Diskothek in Dillingen. Dort war der Täter gegen 4.40 Uhr aufgetaucht und hatte wild um sich geschossen. Dabei wurden der Geschäftsführer und ein Türsteher getötet und acht Gäste verletzt. Anschließend erschoß der Amokläufer in einer benachbarten Wohnung ein französisch-britisches Ehepaar und verletzte dessen elfjährige Tochter, bevor er über die Grenze nach Lothringen flüchtete. Dort tötete er in Sierck-les-Bains sein fünftes Opfer, einen 39jährigen französischen Familienvater. Anschließend entkam er in zwei gewaltsam erbeuteten Autos, wobei er eine Fahrerin und einen Feuerwehrmann verletzte. Alle Verletzten waren am Dienstag außer Lebensgefahr. Ewens letztes Fluchtauto sowie sein Mobiltelefon wurden später in einem Wald bei Sierck-les-Bains gefunden. Trotz eines Großeinsatzes der Polizei blieb der Mann bis Dienstag spurlos verschwunden. Wie er bis zu dem etwa 30 Kilometer entfernten Hotel in Strassen gelangte, war zunächst nicht bekannt. Auch die Motive des Mannes, der in Dillingen aufgewachsen ist und als Pflasterer bei Straßenbaufirmen arbeitete, waren noch nicht wirklich klar.Rache gilt als ein mögliches Motiv; nach Auskunft der Saarbrücker Staatsanwaltschaft hatte eines der Opfer in einem Diebstahlsprozeß gegen den Todesschützen ausgesagt. In Dillingen verdichteten sich Gerüchte, wonach Ewen Beziehungen zum Rotlichtmilieu gehabt haben soll. Der Justiz war er bisher wegen einer Reihe von Diebstahls- und Betrugsdelikten aufgefallen. Im Jahre 1993 war Ewen außerdem wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. (AFP)

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