POTSDAM. Von 1976 bis 1980 war Klaus Wolfgang R. Landtagsabgeordneter für die FDP in Baden-Würtemberg. Von 1980 bis 1983 saß er sogar im Bundestag. Doch ab heute muss sich R. vor dem Landgericht Potsdam wegen Betrugsverdachts verantworten. Denn nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wurde der heute 59-Jährige vom Dezember 1996 bis zum Januar 1999 kriminell. Für die ihm vorgeworfenen Gaunereien suchte sich R. die 1908 gebaute Hakeburg auf dem Seeberg in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) aus, in der ab 1937 NS-Reichspostminister Wilhelm Ohnesorge wohnte. Der 42 Hektar große Seeberg diente von 1946 bis 1989 als SED-Parteischule und die kleine, dazu gehörige Hakeburg als Nobelherberge für Staatsgäste der DDR.Dem Angeklagten wird vorgeworfen, einen Geschäftspartner beim Kauf der Hakeburg betrogen zu haben. Er soll diesem am 6. Januar 1997 vorgeschlagen haben, das Hotel gemeinsam zu kaufen und zu je 50 Prozent zu finanzieren. Der Partner übergab Klaus Wolfgang R. drei Tage später 280 000 Mark in bar. "Tatsächlich soll der Angeklagte indes vermögenslos und weder willens noch in der Lage gewesen sein, sich mit eigenen Mitteln am Kauf der Geschäftsanteile sowie der Renovierung der Hakeburg zu beteiligen", heißt es in der Anklage. Stattdessen verwendete R. das Geld für sich. Zudem habe der Hotelbetrieb nur einen Wert von 200 000 Mark gehabt.Klaus Wolfgang R. und ein mitangeklagter Geschäftsführer sollen in 23 Fällen die Sozial- und Krankenversicherungsbeiträge der Angestellten nicht abgeführt haben - Schaden: jeweils mehrere tausend Mark. Auch sonst nahmen sie es nicht so genau: Obwohl das Unternehmen seit 1. Mai 1997 zahlungsunfähig gewesen sei, sollen sie es "bewusst unterlassen" haben, ein Vollstreckungsverfahren zu beantragen. Stattdessen gründeten sie eine neue Firma, um das Hotel zu betreiben und unterschlugen wieder Sozialversicherungsbeiträge.Immer wieder sollen sie trotz leerer Kassen Waren und Dienstleistungen per Kredit geordert haben - Schaden: 165 000 Mark. Der DeTe Immobilien, als Besitzerin des Seeberges, entstand bis Ende 1998 zudem ein Schaden von 486 000 Mark, weil die Angeklagten die vereinbarte Pacht nicht zahlten.Dass der Hauptangeklagte R. auch noch Gegenstände, die er aus dem Fundus des Studios Babelsberg für das Hotel gemietet hatte, vertragswidrig in sein Haus nach Berlin brachte und behielt und unerlaubt einen internationalen Doktortitel trug, sind da fast Lappalien.Das Urteil wird für den 17. Dezember erwartet.