Er war einer der erfolgreichsten Rocktexter der DDR. Am vergangenen Montag wurde der Liedermacher Kurt Demmler an seinem Wohnsitz in Storkow (Oder-Spree) festgenommen. Gegen den 64-Jährigen werde wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ermittelt, sagte eine Justizsprecherin gestern. Nähere Einzelheiten könnten wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht genannt werden. Die Vorwürfe lägen lange zurück, hieß es. An diesem Dienstag wurde dann gegen den Künstler ein Haftbefehl erlassen, weil Flucht- und Verdunklungsgefahr bestehe. Seitdem sitzt der Liedermacher in Untersuchungshaft.Mehr als 10 000 Texte hat Kurt Demmler geschrieben, manchmal waren es drei pro Tag - unter anderem für viele bekannte Rockgruppen der DDR. Es waren Texte für Nina Hagen, für Gruppen wie Karat, Karussell oder die Klaus Renft Combo. Als dominant, geizig und extrem fleißig wird Demmler von Kollegen beschrieben. "Nur er war in der Lage, eine Langspielplatte in ein, zwei Tagen nach Erhalt der Musik komplett zu betexten", lobte ihn einmal der Gitarrist Peter "Cäsar" Gläser. Trotz dieses Tempos seien Demmlers Texte von höchster Qualität gewesen. 1985 erhielt Demmler den Nationalpreis der DDR.Es ist nicht das erste Mal, dass gegen den Liedermacher ermittelt wird. Beim Amtsgericht Tiergarten ist bereits ein Verfahren gegen ihn anhängig, ebenfalls wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Im Oktober sollte Verhandlungstermin sein. Einzelheiten wollte ein Gerichtssprecher auf Nachfrage auch dazu nicht nennen.Seit seiner Schulzeit sang und schrieb Demmler Lieder. Später studierte er Medizin und arbeitete sieben Jahre lang in Leipzig als Arzt. 1976 wurde er als Liedermacher und Texter freischaffend. Sein 1985 erschienenes Album "Die Lieder des kleinen Prinzen" wurde zu den besten Alben in der Musikgeschichte der DDR gezählt. Es brachte ihm auch den Beinamen "Anwalt der Kinder" ein. Als Liedermacher "muss man einfach ein Erwachsener sein, der sich das Kindsein bewahrt hat. Wie sollten sonst solche Lieder und Gedichte entstehen", sagte Kurt Demmler dazu.In der DDR hatte Demmler wegen seiner kritischen politischen Haltung mehrmals Auftrittsverbote. Ganze Programme von ihm durften nicht aufgeführt werden. 1976 zählte er zu den Mitunterzeichnern der Protestresolution, die sich gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR wandte. Im Wendeherbst 1989 gehörte er zu jenen, die unter die Resolution der Rockmusiker ihren Namen setzten. Bei der großen Demonstration in Ost-Berlin am 4. November 1989 trat Demmler auf dem Alexanderplatz auf und sang seinen Stasi-Spottsong "Irgendeiner ist immer dabei".Mädchenband geplantNach der Wende war er zwar weiterhin kreativ, konnte seine Texte aber immer seltener unterbringen. In den Neunzigerjahren hatte er vor, mit einer Mädchenband zu arbeiten. Er wollte Tic Tac Toe quasi neu erfinden. Dafür hatte er bereits junge Sängerinnen gecastet, die er vorsingen und vortanzen ließ. Aus der Band wurde dann nichts. Aber noch Ende der Neunzigerjahre wandte sich die Band Silbermond an Demmler, um sich beim Texten beraten zu lassen.2001 dann erschien seine letzte CD mit dem Titel "Mein Herz muss barfuß gehen". Seitdem lebte er sehr zurückgezogen im märkischen Storkow. Am 12. September wird Demmler 65. Eigentlich hatten Kollegen zu diesem Anlass ein Konzert mit seinen Hits geplant.------------------------------"Es besteht Flucht- und Verdunklungsgefahr." Simone Herbeth, Justizsprecherin------------------------------Foto: Liedermacher Kurt Demmler, einst ein erfolgreicher Rocktexter in der DDR