Stabwechsel bei der obersten Stafverfolgungsbehörde Brandenburgs: Zum 1. März übernimmt Erardo Rautenberg den Posten des Generalstaatsanwaltes. Derzeit leitet er die Staatanwaltschaft in Neuruppin.Das Brandenburger Kabinett wird zwar erst morgen über die Spitzenpersonalie entscheiden. Rautenbergs Berufung auf Vorschlag des Justizministeriums gilt aber als sicher. Ende des Monats geht der bisherige Generalstaatsanwalt Joachim Kraft in den Ruhestand.Schon von Erscheinung und Alter ist sein Nachfolger eine eher untypische Besetzung: Mit 42 Jahren ungewöhnlich jung, mit schulterlangem Haar und lässiger Kleidung ungewöhnlich leger. Seine offensive Öffentlichkeitsarbeit in Neuruppin und auch zuvor wurde teils mit Skepsis verfolgt. Insider erwarten, daß mit dem Amtsantritt des reformfreudigen Sozialdemokraten ein frischer Wind in die nicht immer glücklich agierenden Brandenburger Strafverfolgungsbehörden Einzug hält.Als abgeordneter Oberstaatsanwalt beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe kam Rautenberg 1992 nach Brandenburg. In Potsdam übernahm er zunächst die Leitung der neu aufzubauenden Schwerpunktabteilung Bezirkskriminalität, zuständig für die Verfolgung des sogenannten DDR-Unrechts. Er kreierte die moderate Brandenburger Linie, nach der nur sogenannte Exzeßfälle angeklagt wurden. Das führte auch zu öffentlichen Auseinandersetzungen mit seinem künftigen Berliner Amtskollegen, Generalstaatsanwalt Schaefgen. Rautenbergs Rechtsauffassung ist inzwischen vom Bundesgerichtshof weitgehend bestätigt worden.Der in Argeninien geborene Jurist gilt auch als Mitinitiator der vom parteilosen Justizminister Hans Otto Bräutigam erhobenen Forderung nach einem Straffreiheitsgesetz. Mit seinem Amnestievorstoß für systembedingte Straftaten in der DDR hatte Bräutigam eine bundesweite Kontroverse ausgelöst.Seit seinem Wechsel an die Spitze der neuen Staatsanwaltschaft in Neuruppin Ende 1993 erzielte Rautenberg, auch durch organisatorische Neuerungen, beachtliche Erfolge bei der Bekämpfung rechtsradikaler Straftaten. Von Anbeginn setzte er sich dafür ein, die Möglichkeiten des Täter-Opfer-Ausgleiches - der außergerichtlichen Einigung - stärker zu nutzen. Inzwischen gilt Brandenburg bundesweit als Vorreiter auf diesem Gebiet. +++