Eine Spezialeinheit der Stasi-Spionageabteilung Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) hat ab 1987 in der Bundesrepublik Erdverstecke mit Waffen, Geld und Sprengstoff angelegt. In Bayern sind jetzt mehrere dieser Verstecke leer aufgefunden worden.Im Jahre 1987 wurde in der HVA eine Abteilung 18 für Spezialaufgaben im Rahmen der sogenannten MOB-Planung geschaffen. Diese Planung umfaßte die Vorbereitung der Stasi auf einen möglichen Krieg zwischen beiden Militärblöcken. Die geheime Truppe, die von Hoppegarten bei Berlin aus agierte, spionierte mit einem eigenen Agentennetz die westdeutsche Zivilverteidigung aus und bereitete Diversionsakte gegen zivile Infrastrukturobjekte der Bundesrepublik, also Brücken, Eisenbahnknotenpunkte und wichtige Straßenverbindungen, vor. Dollar und D-Mark Ihre Partner in der Bundesrepublik waren dabei sogenannte "Schläfer", das sind Agenten, die erst im Kriegsfall aktiviert worden wären. Für diese "Schläfer", aber auch für eigene Leute, die im Krieg hinter den feindlichen Linien abgesetzt werden sollten, richtete die HVA Geheimdepots an verschiedenen Punkten des Bundesgebiets ein. Wie ein hochrangiger Stasi-Offizier gegenüber der Berliner Zeitung bestätigte, seien in diesen Erdverstecken Funkgeräte, Waffen und Sprengstoff sowie eine große Menge Dollar und D-Mark verborgen worden. Diese Ausrüstung sollte die Agenten in die Lage versetzen, im Feindesland selbständig agieren und überleben zu können.Ungeklärt ist, was aus diesen Erdverstecken geworden ist. Bislang sind in der Gauck-Behörde keine Unterlagen zu dieser speziellen MOB-Planung gefunden worden. Auch im Abschlußbericht über die Selbst-Auflösung der HVA bleiben diese Erdverstecke unerwähnt. Leere Verstecke Das Bundeskriminalamt teilte jedoch auf Anfrage mit, daß man Erkenntnisse zu den "Depot-Basen" habe. In Bayern wird jetzt sogar ein spezielles Ermittlungsverfahren dazu geführt. Wie Oberstaatsanwalt Veit Sauter vom Bayerischen Obersten Landesgericht gegenüber der Berliner Zeitung sagte, habe man in der Nähe von Bayrischzell "verschiedene Erdverstecke entdeckt, die jedoch leer waren". Daß es sich bei den Verstecken um einige der sogenannten "Depot-Basen" der HVA handele, "kann derzeit nicht ausgeschlossen werden", so Sauter.Entdeckt wurden die Erdverstecke bei den Ermittlungen gegen einen Siemens-Mitarbeiter, der im Garten seines Hauses in Geitau unweit von Bayrischzell einen Bunker gebaut hatte. Anfang der 80er Jahre, in der Hoch-Zeit des Wettrüstens, war das Bauwerk mit Fördergeldern des Bundes entstanden. Aus Stasi-Unterlagen geht hervor, daß der Geitauer Bunker als Zuflucht für HVA-Agenten genutzt werden sollte. Im Jahre 1991 war bekanntgeworden, daß der Bundesnachrichtendienst für den Kriegsfall ein ähnliches Agentennetz in der DDR aufgebaut hatte wie die HVA im Westen. Dabei handelte es sich um die "Stay-Behind-Organisation", die deutsche Abteilung der NATO-Geheimorganisation "Gladio". Für die "Stay-Behind"-Agenten richtete der BND Erdverstecke in der DDR ein, in denen Funkgeräte, Lebensmittel und Pistolen sowie Gold und Diamanten, die auf dem Schwarzmarkt von Interesse gewesen wären, verborgen wurden. +++

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