Die Beziehungen zwischen der Türkei und Ägypten haben sich rapide verschlechtert. Nach dem Putsch warf der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan dem ägyptischen Militär Staatsterrorismus vor, hat jetzt ein gemeinsames Manöver der Marine abgesagt und seinen Botschafter aus Kairo zurückbeordert. Die ägyptische Regierung zog ihrerseits den Botschafter ab und beschuldigte die Türkei, aus ideologischen Gründen eine „feindliche Haltung“ einzunehmen.

Das Blutvergießen in Ägypten wird zu Recht kritisiert, aber Erdogan überzieht und outet sich als ideologischer Verwandter der Muslimbrüder. Ankara hat Mursi gestützt und viel in Ägypten investiert. Es ist erstaunlich, dass Erdogan jetzt die türkischen Wirtschaftsinteressen am Nil zu opfern bereit ist. Dieser Verzicht auf Realpolitik isoliert die Türkei außenpolitisch. Aber es besteht auch die Gefahr, dass die ägyptische Tragödie innenpolitisch wirkt, wenn sich Erdogan mit dem Schicksal der Mursi-Regierung überidentifiziert. Obwohl Erdogan vom Militär nicht mehr viel zu befürchten hat, setzen er und seine Vertrauten immer öfter die heimischen Gezi-Demonstranten und „Gezi-Medien“ mit den ägyptischen Putschisten gleich, beschuldigen sie, ebenfalls einen Staatsstreich zu planen und verstärken die Repressionen. Das muss all jene beunruhigen, die in der Türkei einen Anker der Demokratie im Nahen Osten sehen.