Molecules 01 hat Geza Schön berühmt gemacht. Es ist ein Parfüm und gilt als Revolution auf dem Markt, der Jahr für Jahr mit Hunderten neuer Kreationen überschwemmt wird. Molecules 01 enthält nämlich nur einen einzigen Duftstoff, das synthetische Iso E Super. Und der hat es in sich. Schön hat Iso E Super, das in vielen Parfüms enthalten ist, 1990 kennengelernt. Damals arbeitete er für einen Dufthersteller im niedersächsischen Holzminden. Er hat Iso E Super einem Freund gegeben und ist dann mit ihm in eine Bar gegangen. "Es hat nur wenige Minuten gebraucht, bis eine Frau direkt auf uns zukam und frage, wer denn so herrlich riechen würde", erzählt Schön, der seit 2005 in Kreuzberg lebt. Da habe er gewusst, dass das Zeug einfach genial sei. "Es gab noch niemanden, der es nicht gemocht hat."Kate Moss als FanObwohl es Molecules 01 weder bei Douglas noch in Kaufhäusern, sondern nur in ausgewählten Läden gibt (in Berlin bei Mientus am Kudamm und bei Breathe in der Rosa-Luxemburg-Straße), wurde es ein riesiger Erfolg. Zu den Fans sollen Madonna, Naomi Campbell und Kate Moss gehören, die sich eine Kiste hat schicken lassen. Inzwischen hat Schön unter dem Label Escentric Molecules zwei weitere Parfüms mit nur einem Duftstoff kreiert und dazu drei, die noch einige Noten drum herum enthalten. Und er kann von seinen minimalistischen Düften gut leben.Geza Schön ist 42 Jahre alt, sieht mit seinen leicht nach oben gegelten Haaren und dem Dreitagebart noch recht jugendlich aus. Er ist der einzige ausgebildete Parfümeur und Duftdesigner der Hauptstadt und einer der wenigen weltweit, die freiberuflich arbeiten. In Deutschland gibt es nur rund 40 Parfümeure, weltweit sind es 500.Schon als Kind sammelte der gebürtige Kasseler Duftproben, mit 13 Jahren konnte er hundert voneinander unterscheiden. Ihm gelang es schließlich dank einer Bekanntschaft mit der Tochter des Chefs des Duftherstellers Haarmann&Reimer (heute Symrise) dort einen der raren Ausbildungsplätze zum Parfümeur zu ergattern. "Astronaut zu werden ist leichter", sagt er. Fünf Jahre dauerte die Ausbildung, in der Schön seine Nase an rund 2000 Duftstoffen schulte und lernte, sie mit Begriffen wie "krautig", "herbal" oder "fichtig" zu beschreiben. Er blieb zwölf Jahre bei H&R und lebte zeitweise in Argentinien, England, Singapur, der USA und Frankreich. Dann hatte er genug von der Industrie. Er beklagt, dass heute viele Düfte sehr ähnlich riechen, weil die großen Hersteller wie Procter&Gamble, L'Oréal, Coty oder LVMH keine Risiken mehr eingingen und nichts mehr ohne umfangreiche Marktforschung herauskomme. "Ob der Saft bei Procter&Gamble in einen Flakon von Gucci, Lacoste oder Hugo Boss eingefüllt wird, ist letztlich egal. Das ist eigentlich ein Drama", sagt Schön. Er fühlte sich in seiner Kreativität eingeschränkt und machte sich deshalb 2002 selbstständig.Er entwickelte seine eigene Handschrift. Heute arbeitet er in seinem Labor in seiner Kreuzberger Wohnung mit 300 bis 500 Essenzen. Er ist Deutschland-Berater für den weltgrößten Dufthersteller IFF und hat auch für Thorsten Biehl zwei Düfte entworfen.Biehl hat seine Ausbildung ebenfalls in Holzminden gemacht, er ist aber eher Duftentwickler und Kritiker der Parfümeure als selbst Parfümeur. Auch er hatte irgendwann genug von der Duftindustrie und machte sich selbstständig. Biehl sagt, der Duftanteil, der früher der wichtigste Teil des Parfüms war, sei heute der billigste. "Viel unwichtiger als die Marke und Verpackung." Für ihn steht der Duft im Mittelpunkt.Der 44-Jährige betreibt in Mitte die Biehl Parfumkunstwerke. Der Name ist Programm: Für Biehl sind Düfte Kunstwerke und Parfümeure Künstler, die er in den Vordergrund stellen will. Deshalb hat er Top-Nasen wie Geza Schön nach ihren Schätzen gefragt. Die vertreibt er als Unisex-Duft weltweit in ausgewählten Parfümerien wie den Galeries Lafayette oder Hucke-Design im Quartier 206 - ganz ohne Marktforschung, ohne Einschränkungen bei der Wahl der Rohstoffe und ohne Promimarketing. Der Flakon sieht immer gleich aus, die Düfte tragen die Initialen ihrer Erfinder. 100 Milliliter kosten 125 bis 150Euro."Das ist auch für mich ein Traum, dass ich so Düfte lancieren kann, an denen ich lange gearbeitet habe, die den großen Herstellern aber zu ungewöhnlich sind", sagt Geza Schön. Mit GS01 hat er vor zehn Jahren angefangen. Reisen sind für Schön die größte Inspiration, mit dem Rucksack ist er viel durch Asien gereist. "Der Duft ist beeinflusst von meinen Erinnerungen an diese Reisen", sagt er. Das Parfüm riecht frisch-exotisch nach Limette, Magnolienblüten, Jasmin und Basmati-Reis.------------------------------Foto: Ausstellung: In den Galeries Lafayette (Friedrichstr. 76) präsentiert die Firma Biehl Parfumkunstwerke bis zum 12.März reine Duftnoten, die in Parfüms als Kopf-, Herz- oder Basisnoten verarbeitet werden. Manche riechen allein ziemlich unangenehm - zum Beispiel Zibet, das aus den Analdrüsen von Zibetkatzen stammt.Foto: Parfümentwickler Thorsten Biehl (l.) und Parfümeur Geza Schön haben die vielleicht feinsten Nasen Berlins.