BERLIN, 26. Mai. Der frühere DDR-Publizist und Geheimdienstexperte Julius Mader ist tot. Der 71-Jährige starb - wie erst jetzt bekannt wurde - vor zehn Tagen nach schwerer Krankheit in Berlin.Mader hatte vor allem in den 60er- und 70er-Jahren mit seinen auch im Westen verlegten Büchern über den Bundesnachrichtendienst ("Nicht länger geheim!") und den US-Geheimdienst ("Who s who in CIA?", "Gelbe Liste: Wo ist die CIA?") internationales Aufsehen erregt. Daneben veröffentlichte er Bücher über die Arbeit der deutschen Geheimdienste während des Zweiten Weltkrieges. In zahllosen Zeitschriften des In- und Auslandes erschienen Artikel von ihm; in der DDR-Zeitschrift NBI war Mader seit 1972 Autor der wöchentlichen Kolumne "Geheimdienste". Einen Großteil seiner Informationen erhielt Mader von der Stasi, für die er seit 1962 als Offizier im besonderen Einsatz (OibE) "Faingold" tätig war. Das Verhältnis zum Mielke-Ministerium trübte sich allerdings in den 80er-Jahren, als Julius Maders Buch über die "Rote Kapelle" erschien. Die für damalige DDR-Verhältnisse ungewöhnlich ausgewogene und kritische Darstellung der sowjetischen Spionageorganisation, die in westdeutschen Medien anerkennende Beachtung fand, hatte die SED- und Stasi-Führung verärgert. (afö.)