Die Humboldt-Universität (HU) zu Berlin stellt sich hinter ihren neu gewählten Präsidenten, Jan-Hendrik Olbertz. Sie reagiert damit auf die Diskussion über die jüngst auf einer Tagung vorgestellte Habilitation des Erziehungswissenschaftlers von 1989. Olbertz habe damals - so der Vorwurf von Kritikern - eine im höchsten Maße der SED-Ideologie verpflichtete Arbeit geschrieben. Am 26. Mai erklärte sich Olbertz in einem Interview mit der Berliner Zeitung zu diesen Vorwürfen. Darauf wie auch auf andere Beiträge bezieht sich nun der Vorstand des 61-köpfigen HU-Konzils, das Jan-Hendrik Olbertz am 20. April mit einer Mehrheit von 49 Ja-Stimmen gewählt hatte.In der Öffentlichkeit seien Vorwürfe gegen Olbertz verbreitet worden, "welche die Unabhängigkeit seines wissenschaftlichen Urteils und seine Befähigung für das Amt des Präsidenten der Humboldt-Universität in Zweifel ziehen", heißt es in der gestern veröffentlichten Erklärung. Der Konzilvorstand stellt klar: Die HU habe den Vorschlag, Olbertz als Kandidaten zu präsentieren, "auf Grundlage aller verfügbaren Unterlagen und mit der erforderlichen Genauigkeit geprüft". Man sei überzeugt, mit Olbertz einen "hoch qualifizierten Wissenschaftler und Wissenschaftspolitiker" als Präsidenten gewonnen zu haben, der die HU maßgeblich voranbringen werde. "Wir sehen die wissenschaftliche, politische und persönliche Integrität von Prof. Olbertz durch die Vorwürfe in keiner Weise in Frage gestellt und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihm", schließt die Erklärung, unterschrieben vom Konzilvorsitzenden, dem Literaturwissenschaftler Werner Röcke, der selbst 1993 von der Universität Bayreuth an die HU gekommen war.Olbertz wurde vor der Wahl in öffentlicher Sitzung ausführlich zu seinem Werdegang, seinen Konzepten und Plänen für die HU befragt. Der 55-Jährige hinterließ dabei einen sichtbar guten Eindruck. Am 18. Oktober soll er sein Präsidentenamt als Nachfolger von Christoph Markschies antreten. Erst am Montag wurde er aus seinem bisherigen Amt als Kultusminister Sachsen-Anhalts verabschiedet.