FRANKFURT (ODER). Ein Blatt mit der Überschrift "Staatsanwaltschaft ermittelt in Fällen von Legionärskrankheit mit Todesfolge" liegt auf dem Tresen am Haupteingang des Klinikums Frankfurt (Oder) im Ortsteil Markendorf. Das, was darauf steht, ist allgemein bekannt - dass es bedauerlicherweise zwei Todesfälle gab, bei denen der Legionellennachweis positiv war. Mehr ist in der Klinik nicht herauszubekommen. Denn hinter dem Tresen sitzt Herr Bögner, wie sein Namensschild verrät. Er lächelt, dann spricht er ins Telefon: "Hier ist jemand von der Presse, soll ich den gleich abwimmeln oder doch hoch schicken?" Journalisten sind in diesen Tagen im Klinikum nicht gern gesehen.Herr Bögner legt auf und meint, dass er für das Abwimmeln wohl nicht zuständig sei. Das macht Sabine Zinke. Im Vorzimmer ihres Büros stapeln sich die Tageszeitungen mit den Hiobsbotschaften auf den Titelseiten: "Legionärskrankheit forderte schon im Januar erste Tote" oder "Klinikum bestätigt Todesfälle". Die Referentin der Geschäftsführung sagt kurz, aber bestimmt: "Sie müssen verstehen, dass wir uns wegen der laufenden Ermittlungen nicht äußern können." Sie verweist an das Mutterunternehmen, die Rhön-Klinikum AG.Markendorf ist eine moderne Klinik. Sie hat eine Patienten-Bibliothek, ein Café, einen Laden und einen Friseur. Und ein weiß verputztes Bettenhaus mit 380 Patienten-Betten. Das ist so neu, dass niemand auf die Idee käme, hier könnten sich Menschen eine tödliche Infektionskrankheit zuziehen. Und doch ist es so. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen sechs Legionellose-Todesfällen. Drei Männer und drei Frauen sollen in den vergangenen sieben Monaten an der Legionärskrankheit gestorben sein, sie haben die tödlichen Keime beim Duschen eingeatmet. So stand es in der anonymen Anzeige, die am 11. Juli bei der Staatsanwaltschaft eingegangen ist. Seitdem stehen Joachim Manz, Vorstand des Rhön-Klinikums, und Andreas Grahlemann, der Geschäftsführer des Frankfurter Klinikums, im Visier der Fahnder. "Sie sind für die Versäumnisse verantwortlich. Es ist aber offen, ob wir ihnen überhaupt etwas vorwerfen können", sagt Ulrich Scherding von der Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder).Im Rahmen der Ermittlungen werden jetzt alle Todesfälle der vergangenen Monate von medizinischen Experten, die von den Fahndern hinzugezogen wurden, überprüft. Fest steht bisher: Bei einer 66-jährigen Patientin aus Beeskow wurde am 1. Juli Legionellose diagnostiziert, vier Tage später war sie tot. Eine 73-jährige Frau starb am 9. Juli. An diesem Tag wurde bei einer 80-jährigen Frau die lebensgefährlichen Lungenkrankheit festgestellt, einen Tag später erkrankte ein 80-jähriger Mann. Die bisher letzte Infektion ereilte eine 72-jährige Frau am 18. Juli. Bereits im Januar gab es sieben Infektionen, die aber glimpflich verliefen.Inzwischen macht die Klinik Baumängel für den Ausbruch der Legionärskrankheit verantwortlich. Sie reichte am Donnerstag Klage gegen Unbekannt ein und begründete dies damit, dass die Wasseranlagen des Neubaus falsch installiert worden seien. Die Rhön-Klinikum AG hatte das vorher städtische Krankenhaus Anfang des vergangenen Jahres übernommen. Für die Planung des damals fast fertigen Bettenhauses sei nicht der neue Besitzer, sondern die Stadt zuständig gewesen. Weil die Wasseranlage zu groß geplant sei, haben sich nach Ansicht der Klinikleitung die Keime nicht nur im Warmwasser ausbreiten können, sondern traten durch ungenügende Isolierung auch im Kaltwasser auf.Die Stadt lehnt die Verantwortung ab. "Die Bauaufträge wurden nicht von uns erteilt, sondern von der Geschäftsführung der später privatisierten Klinik", sagt Sprecher Heinz-Dieter Walter. Die Verantwortlichen würden also in der Klinik arbeiten. Unterdessen reagiert auch Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) auf die Legionellen-Diskussion. Er bricht seinen Jahresurlaub ab, um am Montag mit allen Verantwortlichen zu sprechen.Um 15 Uhr ist im Parkhaus am Klinikum kaum noch ein Platz zu bekommen. Die Besuchszeit beginnt. Die Menschen strömen ins Krankenhaus - wie immer. "Ich mach mir keine Sorgen", sagt ein älterer Herr aus Frankfurt (Oder), der seine Frau besuchen will. Auch in anderen Krankenhäusern könnten doch die Keime auftreten. "Außerdem wird man jetzt hier schon dafür sorgen, dass es keine weiteren Krankheitsfälle mehr gibt."50 000 Patienten im Jahr // Geschichte: Das Klinikum Frankfurt (Oder) wurde 1983 eröffnet. Vor zwei Jahren entschloss sich die Stadt zum Verkauf des Klinikums. Anfang 2002 übernahm die Rhön-Klinikum AG in Bad Neustadt/Saale das Krankenhaus.Kapazität: Das Krankenhaus verfügt über rund 900 Betten. In den 16 Fachabteilungen werden jährlich 50 000 Patienten stationär und ambulant betreut. Schwerpunkte sind u. a. die Neurochirurgie, die Nuklearmedizin und die Strahlenheilkunde.Mitarbeiter: Rund 1 300 Mitarbeiter arbeiten in der Klinikum Frankfurt (Oder) GmbH. Das Krankenhaus hat eine Krankenpflegeschule mit 100 Ausbildungsplätzen. Zwei Mal im Jahr beenden dort Krankenschwestern und -pfleger ihre Lehre.