Pleiten, Pech und Pannen ohne Ende: Dass das geplante Riesenrad am Bahnhof Zoo gebaut wird, erscheint inzwischen kaum noch realistisch. Es ist nicht nur das Geld für das Projekt ausgegangen, wütende Anleger klagen gegen die Banken, die den Riesenrad-Fonds Global View vertrieben haben. Inzwischen hat sich auch die Berliner Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen drei Beschuldigte aus der Betreibergesellschaft. Das bestätigte gestern Justizsprecher Martin Steltner. Es gehe um einen Schaden in Millionenhöhe, sagte Steltner.Fingierte VerträgeUnter den Beschuldigten soll der Geschäftsführer der Berliner Projektgesellschaft Great Berlin Wheel, Michael Waiser, sein. Der hatte einst verkündet, das neue Riesenrad werde Touristenmassen aus der ganzen Welt anlocken und gar zu einem "neuen Wahrzeichen Berlins" werden. Nun geht es um verschwundene Millionen. Über die Berliner Projektgesellschaft soll Geld mit Hilfe fingierter Verträge ins Ausland transferiert worden sein, so nach Dubai, Singapur und auf die Virgin Islands, eine Inselgruppe in der Karibik. Von verschachtelten Gesellschaftsstrukturen ist die Rede. Mit einem Unternehmen in Singapur soll zum Beispiel ein Servicevertrag geschlossen worden sein, wonach monatlich 40 000 Euro gezahlt wurden, ohne dass ein Gegenwert erkennbar gewesen wäre. Auch sollen teilweise Reisekosten abgerechnet worden sein, die mit dem Berliner Riesenrad-Projekt nichts zu tun hätten.Waiser war gestern nicht zu sprechen. Er sei nicht im Büro und "ein paar Tage" nicht zu erreichen, sagte eine Mitarbeiterin. Sie könne zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Auf Anrufe auf seinem Mobiltelefon reagierte Waiser nicht.Die Anzeige gegen Unbekannt hatten Anleger beziehungsweise deren Anwälte erstattet. "Wir haben die Ermittlungen initiiert", sagte gestern die Rechtsanwältin Katja Fohrer von der Münchner Kanzlei Mattil, die einige hundert Anleger vertritt. Diese hatten in den Riesenrad-Fonds Global View investiert. Für den Fonds waren im Jahr 2006 bei 9 800 Anlegern etwa 208 Millionen Euro eingesammelt worden. Mit dem Geld sollten Riesenrad-Projekte in Peking (China), in Orlando (USA) und in Berlin finanziert werden. Allein das Berliner Rad sollte 120 Millionen Euro kosten und mit einer Höhe von 175 Metern Europas größtes Aussichtsrad werden. Doch das Geld der Anleger ist bereits verbraucht, obwohl noch kein Rad steht. Das Berliner Grundstück am Zoo wurde für 25 Millionen Euro vom Land gekauft und für den Bau vorbereitet. In Peking steht erst das Fundament, in Orlando ist noch gar nichts geschehen.Sie habe beim Durchsehen der Akten "verschiedene Umstände zur Kenntnis genommen", die auf einen Verdacht der Untreue schließen ließen, sagte Anwältin Fohrer. Ihre Kanzlei prüfe zur Zeit zivilrechtliche Ansprüche gegen die beratenden Banken und die Projektherausgeber. Die Kunden seien falsch beraten und nicht genügend auf die Risiken hingewiesen worden.Sie seien von den Ermittlungen nicht betroffen, hieß es bei den Fondsinitiatoren. Der Fonds "Global View" wurde bereits 2007 von der Stiftung Warentest als riskant bewertet. Seit geraumer Zeit fürchten die Anleger den Totalverlust ihres Geldes. Die Fondsgesellschaft hatte ihnen angeboten, ihre Beteiligung bis zum 23. April zu verkaufen und 60 Prozent ihres Geldes zurück zu bekommen. Wer bis Ende 2018 warten könne, soll 85 Prozent zurückbekommen. Eine Opposition unter den Anlegern, angeführt vom Berliner Showveranstalter Peter Massine, hatte Anfang April dazu aufgerufen, nicht zu verkaufen. Stattdessen will Massine selbst die Geschäftsführung übernehmen, um das Projekt noch zu retten.------------------------------Hochfliegende Pläne2006 gab es Konkurrenz: Die Steiger Berlin GmbH wollte neben der Arena am Ostbahnhof ein 185-Meter-Rad bauen. Mitte August 2006 kaufte die inzwischen Great Berlin Wheel heißende GmbH Teile des Zoo-Wirtschaftshofes - und wollte dort auch ein 185 Meter hohes Rad bauen. Steiger gab im Dezember 2006 auf.2008 wurde für den Zoo ein neues Wirtschaftsgebäude gebaut, die Hälfte des Verkaufserlöses von 25 Millionen Euro verwandte das Land Berlin dafür.2009 wurde das Projekt Aussichtsrad abgespeckt: Die Abflughalle sollte schlichter sein, die Konstruktion wieder 175 Meter hoch, um Stahl zu sparen. Der Baubeginn wurde mehrfach verschoben.------------------------------Foto: So sollte es aussehen, das Riesenrad am Zoo. Vermutlich wird es nie gebaut.Foto: Michael Waiser, Chef der Great Berlin Wheel