Die Oranienstraße in Kreuzberg lebt. Geschäfte, Restaurants und Cafés, Obst- und Gemüseläden. Berge von glänzenden Früchten lassen das Berliner Grauwetter vergessen. Aus mit Stuck gerahmten Fenster hängen Decken zum Lüften in der Oktobersonne. Türkisch, Deutsch und Deutschtürkisch, Arabisch, Polnisch, afrikanisches Französisch und Englisch sind zu hören, ein sächsischer Touristenbus schlängelt sich durch den Stau, verschleierte Frauen gehen neben solchen mit Kopftuch oder bloßem Haar, Kinder rasen auf Mountainbikes den Bürgersteig entlang und erschrecken die Passanten. Halbstarke lassen trotz der Kühle ihre Muskeln spielen, um den Mädchen und Konkurrenten zu imponieren. Ein Stück Weltstadt, so bunt und chaotisch, sicher auch arm, wie in New York, Paris, London, Istanbul, Schanghai oder Rio de Janeiro. So wünschen wir uns oft, zurückgekehrt aus den Metropolen der Welt, unser Berlin, nicht ganz so aggressiv, aber doch so vielfältig, lebendig und gemischt.Ein Stadtviertel, das, man kann es sich heute kaum noch vorstellen, bis Mitte der siebziger Jahre - also bis vor kaum einer Generation! - zum Totalabriss vorgesehen war. Und das gerettet wurde durch ein städtebauliches und architektonisches Projekt, die internationale Bauausstellung, die IBA von 1987. Sie erstreckte sich vom Schlesischen Tor über die neu bebauten Ritter- und die Lindenstraße zum Lützowplatz und zur Rauchstraße am Tiergarten, hatte ihre Ableger am Prager Platz in Wilmersdorf und in Tegel, wo am Hafen ein Wohnviertel entstand, das mit seinen Türmchen und Bögen und Erkern durchaus an Freizeitparkarchitektur erinnert.Bis heute kommen Architekturtouristen aus aller Welt nach Berlin, um die Projekte zu studieren. Nirgends sonst kann man so sehen, was der Stand der Architektur- und Planungsdebatte der letzten beiden Jahrzehnte vor der Wende war, nirgends sonst wird einem so klar, wie normal die Ergebnisse dieser Debatte inzwischen sind. Wer reißt heute schon noch großflächig ab? Diese Normalität bewirkt allerdings auch, dass in Berlin selbst die IBA oft vergessen scheint oder ihre architektonischen Resultate nur als "postmoderner Kitsch" verunglimpft werden. Dabei kann sie uns einiges lehren.Zwar gibt es noch die rituellen Mai-Krawalle in Kreuzberg, doch sind sie kaum mehr als jugendliche Mannbarkeitsriten. Vergessen ist hingegen weitgehend ihr historischer Hintergrund: Ein dreiviertel Jahrhundert Vernachlässigung und Willkür.Kreuzbergs große Zeit war wie in ganz Berlin die Kaiserzeit, als die Wirtschaft sich international verflocht. Das Exportviertel an der Ritterstraße, das Presseviertel an der Kochstraße, sie waren berühmt. Ein eher kleinbürgerlich geprägtes Viertel, hier lebten Facharbeiter und kleinere Angestellte, ohne den proletarischen Kampfgeist von Wedding, dazu hatte man schon zu viel zu verlieren, aber auch nicht mit der bürgerlichen Sicherheit von Charlottenburg, dorthin wollte man erst noch aufsteigen.Der Erste Weltkrieg, Inflation und Weltwirtschaftskrise, die Nazizeit schlugen erste Kerben in dies Leben, die Häuser wurden nicht mehr renoviert, die Bürgersteige wellig, die Fassaden, einst in hellen Pastelltönen bemalt, nahmen den fiesen Braunkohleton an, die Nazis vertrieben seit 1933 jüdische Arbeiter, Angestellte, Ingenieure und Firmeninhaber. 1945 lag Kreuzberg in jeder Hinsicht in Trümmern. Und wurde faktisch Vorstadt in der Innenstadt. Der einstige Durchgangsbezirk fand sich wieder in einer von den sowjetischen Sektoren Mitte und Friedrichshain eingefassten Ecke West-Berlins. Schon in den 50er-Jahren verloren alte Pulsadern wie die Köpenicker Straße, die Heinrich-Heine-Straße und selbst die Friedrichstraße ihre Bedeutung. Der Bau der Mauer 1961 bestätigte dem Bezirk: Wir sind kein Zentrum mehr.Die West-Berliner Stadtplanung, beseelt von der Idee der radikal funktionalistischen Aufteilung der Stadt in Wohn-, Arbeits-, Vergnügungs- und Bildungsdistrikte, tat das Ihrige, um das einst so quirlige Innenstadtquartier Kreuzberg aufzubrechen und zu entwerten. Die Fernverbindungen entfielen mit der Sprengung des Görlitzer, des Potsdamer und des Anhalter Bahnhofs, das alte Musikerviertel an der Bernburger Straße wurde aufgegeben, die Philharmonie am Kulturforum wiederaufgebaut. Damit dies auch garantiert keine Konkurrenz durch ältere, mit U- und S-Bahn und Tram viel besser in die Stadt eingebundene Kulturstandorte erhielt, ließ der Senat 1961 das schon teilweise wieder aufgebaute alte Völkerkundemuseum neben dem heutigen Martin-Gropius-Bau vandalisch abreißen. Bis heute gähnt hier ein Parkplatz. Dass der Gropius-Bau in den 80er-Jahren restauriert werden konnte, der beginnenden Denkmalschutzbewegung zu verdanken.Systematisch wurden auch die wichtigen Straßen verstellt: Der Mehring-Platz entstand als verkehrsberuhigter runder Platz neu, eine künstlerisch und zum Wohnen durchaus gültige Lösung, die aber die Friedrichstraße abschnitt vom Verkehr. Grausamer war der gewaltige Riegel, der 1969 an der Nordseite des Kottbusser Tores entstand, als Lärmschutz gegen die seit 1957 auf der Trasse der Oranienstraße geplante Autobahn. Der Riegel ruinierte die Dresdner Straße und ließ ganze Häuserblöcke regelrecht im Schatten versinken. Sie sollten ja auch weichen, zugunsten neuer, moderner Wohnhäuser mit Grünflächen anstelle der Hinterhöfe und deren dichtgepackten Nebenhäusern, Fabrikhallen und Fabriketagen. Das war das neue Wohnideal, nur raus aus den Hinterhöfen, hieß die Parole in West- wie in Ost-Berlin, wo die großen Magistralen vergleichbar brutale Schnitte durch den Stadtkörper schlugen. Am Moritzplatz begann man von beiden Seiten aus schon in den 50er-Jahren mit der Ausführung dieser Neugestaltung, sie ist bei mancher Qualität im architektonischen Detail ein städtebauliches Desaster.Vor der Autobahnplanung als Damoklesschwert und dem drohenden Bauchaos flohen die bessergestellten Bewohner Kreuzbergs, die Wohnungsbauunternehmen kauften ihre Häuser und ließen sie auf Abriss verfallen. Der Staat garantierte gute Entschädigungen. In den Siebzigern war Ost-Kreuzberg mit dem Wedding schließlich der Hinterhof West-Berlins. Hierher wurden die als billige Maschinenverlängerung eingesetzten türkischen Einwanderer abgeschoben, die sich mit den ansässigen deutschen Armen arrangierten. Dazu kamen, zumal nachdem seit 1971 die Viermächteverträge West-Berlin politisch stabilisiert und die Schikanen der DDR-Grenzer reduziert hatten, viele Studenten, legendär die aus Schwaben. Sie fanden billig Unterkunft und sahen das Klo auf der Treppe, das kalte Wasser, die Kohleheizung und die verrotteten Fenster eher mit romantischen Augen. Waschen konnte man auch bei Mutti.Kreuzberg war auf dem besten Weg, eine vom bundesrepublikanischen Sozialstaat abgefederte Bronx Berlins zu werden. Touristen kamen und politisch bewegte Fotografen: Seht her, so arm ist das kapitalistische West-Berlin. Die Wohnungsnot aber blieb, der Schwarzmarkt blühte, aberwitzige Summen wurden als "Abstand" für lächerliche Verschönerungsmaßnahmen bezahlt. Und zugleich verfielen vollkommen intakte Altbauten. Eine Mischung, die explodieren musste: Zwischen 1979 und 1981 wurden in West-Berlin mehr als 170 Häuser wenigstens zeitweise besetzt, Krawalle begleiteten die Aktionen, die Rechten in der Kalte-Krieg-Hauptstadt forderten altgewohnt härteres Durchgreifen gegen die "Chaoten", die Linken sahen die Weltrevolution bevorstehen, die DDR zeigte im Fernsehen Bilder, als würde West-Berlin Beirut sein. Die meisten, oft ganz bürgerlichen Besetzer wollten nur Wohnraum retten, der sonst zerstört worden wäre.Dies ist die Vorgeschichte der IBA. Sie entstand in einem geradezu hoffnungslos verfahrenen Kampffeld und versuchte also eine Revolution in der Planungskultur: Die Betroffenen der Stadtsanierung, die Mieter und Hausbesitzer, die Gewerbetreibenden, Eltern, Kinder, die Alten, Einwanderer und Studenten, sie alle sollten mitplanen dürfen. Stadtsanierung sollte nicht mehr Stadtabriss, sollte nicht mehr Vertreibung heißen. Organisiert wurde dieser grundsätzlich neue Ansatz - der seine Parallelen in Dänemark und den Niederlanden, Großbritannien, selbst in Kalifornien und in New York hatte, aber nirgend auf so breiter Basis umgesetzt wurde - von der 1979 gegründeten so genannten "IBA-Alt". Ihr Leiter war bis 1985, als er die private Sanierungsgesellschaft S.T.E.R.N. gründete, der Architekt Hardt-Waltherr Hämer. Ein wortgewaltiger, kämpferischer Mann, der - als faktischer Staatsangestellter und in Zeiten des bundesdeutschen Radikalenerlasses! - Plakate drucken ließ, auf denen zu lesen stand: "Bürger habt Acht. Radikale in öffentlichen Diensten zerstören Eure Wohnungen und stecken Euch in Käfige. Wählt sie ab."Als Willy Brand 1969 im Bundestag forderte, "mehr Demokratie wagen", da arbeitete Hämer schon ein Jahr an der Sanierung des Weddinger Viertels um die Puttbusser Straße mit. Hier wurde erstmals nicht mehr flächendeckend abgerissen, sondern nach Absprache mit den Bewohnern renoviert und modernisiert. Seine IBA-Alt kümmerte sich nun in Kreuzberg um die Sanierung der heruntergekommenen Häuser, flocht Kindergärten und Spielplätze in das dichte Gewebe der Stadt ein und begann den bis heute hochaktuellen "Ökologischen Stadtumbau" mit Hofbegrünungen, Mietergärten oder Solaranlagen. Hämer und seine Kollegen wiesen nach, dass Abriss und Neubau keineswegs billiger und effizienter seien als die sorgfältige Erhaltung, zeigten auch, dass die von den Sozialplanern so geliebten Standardgrundrisse, in denen mittels Verteilung der Steckdosen sogar vorgeschrieben war, wo das eheliche Bett zu stehen hat, von den Nutzern keineswegs gerne gemocht wurden. Diese wollten mehr Freiheit, so, wie sie Altbauten boten. Und: Hämer machte, nicht zuletzt durch sein berühmtes, tabakrauchumschwadetes Debattentalent, aus aufgeregtesten Hausbesetzern friedliche Hausnutzer.Seine "behutsame Stadterneuerung" wurde ein weltweit nachgeahmtes Modell. Nach 1990 wurde sie der Grundstein für die erstaunliche Regeneration der Ost-Berliner, ja der ostdeutschen Innenstadtviertel. Sie waren in 40 Jahren DDR ökonomisch bewusstlos heruntergewirtschaftet worden, heute zeigen sich ganze Straßenzüge wieder in Farben, die die Kohle- und Schuttberge von 1989 vergessen machen. Die vielen Architekten, die unter Hämer gelernt hatten, kräftige soziale Konflikte auszubalancieren, wurden ein regelrechter Exportschlager: Sie organisierten in New York das Wiederaufleben der Bronx mit, sind in Mexiko-Stadt, Rio de Janeiro, Kalkutta, Istanbul oder Jakarta beschäftigt, aus den Fugen geratene Armenviertel wieder zu integrieren. Berlins Ruhm als Architekturstadt ist nicht nur einer der auffälligen Neubauten, sondern auch einer der sozial verantworteten und genau deswegen oft so unscheinbaren, hinter der Bewohnerzufriedenheit verborgenen Architektur!Doch der Anspruch auf Bürgerbeteiligung - der etwa bei der Planung des Volksparks Görlitzer Park für gut ein Jahrzehnt die Kräfte ungezählter Planer, Sozialarbeiter, Bürgervereinigungen band - war ein Horror für viele traditionell denkende Planer. Sie glaubten fest an die Vormacht des Künstlers gegenüber dem Nur-Menschen. Der vor einem Jahr verstorbene Architekt Josef Paul Kleihues etwa - der als Leiter der so genannten "IBA-Neu" das direkte Pendant Hämers und verantwortlich für den Wiederaufbau der zerbombten und abgeräumten Innenstadt war - Kleihues also bestand in der Debatte um sein Türmchen gegenüber dem Theater des Westens darauf, dass die Meinung des hochhauskritischen, demokratisch legitimierten Gremiums Charlottenburger Bezirksverordnetenversammlung unmöglich wichtiger sein könne als sein künstlerischer Genius. Er setzte sich nur halbwegs durch, der Stummel entstand, mit einer gewaltigen Fahne versehen, die inzwischen selbst zu einer Art Wahrzeichen wurde.Kleihues stand für den Teil der IBA, der heute noch am sichtbarsten ist: Die bauästhetische Revolution. Erstmals in der Geschichte der Moderne wurde dem Werk einzelner Architekten größere Bedeutung zugemessen als dem großer Stadtplanungskonzept und erstmals wurde in einem so großen Maßstab die historische Proportion der Stadt, ihr alter Grundriss als Planungsgrundlage genommen statt die Hoffnung auf eine möglichst fantastisch zu zeichnende Zukunft. Wenn in den 90er-Jahren für den Wiederaufbau des neuen, gesamten Berlin Wettbewerbe um Wettbewerbe stattfanden, wenn Senatsbaudirektor Hans Stimmann durchsetzen konnte, dass die Neubauten auf den klassischen Blockkanten Berlins entstanden, Hochhäuser nur an herausragenden Stellen entstanden, dann ging dies nur, weil die Stadt bereits in den 80er-Jahren mit der IBA-Neu von Kleihues alle Instrumente dafür entwickelt hatte.Die Ergebnisse des Neubauprogramms sind bis heute beeindruckend. Ganze Quartiere entstanden neu, die Creme der besten Architekten des folgenden Jahrzehnts arbeitete in Berlin. Kaum einer, der in der Debatte um die Postmoderne schon ein Star war oder dann in den 90ern weltberühmt wurde, hat nicht hier sein Werk abgeliefert. Nie wieder war Berlins Architekturszene so jung, so international, so dynamisch, auch so wagemutig, nie wieder wurde so intensiv darüber debattiert, wie man wohnen kann, wie gutes Wohnen für möglichst breite Schichten zu erreichen sei. Selbstverständlich wurde der Wagemut finanziert durch die Subventionen West-Deutschlands, das darf nicht vergessen werden, und dass erst Finanzsenator Sarrazin mit der ruchlosen Bereicherung der Wohnungsbauunternehmen durch Mittel des Sozialen Wohnungsbaues aufräumte, hat Berlins finanzieller und damit politischer Selbstständigkeit tiefen Schaden verursacht. Der Vorteil dieses Systems war allerdings, dass die Stadt Mindeststandards durchsetzen konnte und eine einmalige Vielfalt unterschiedlicher Wohnungsbautypen entwickelt werden konnte.Sicher, die niedrige Bebauung der Neubauten an der Zimmerstraße, Zaha Hadits nettes Türmchen an der Stresemannstraße, die angenehm mittelstädtischen Höhen an der Ritterstraße, sie erzählen eben auch etwas vom verlorenen Glauben daran, dass die Mauer einmal Geschichte werden könne. Und Projekte wie John Hejducks Atelierturm an der Charlottenstraße sind eher skurril mit ihren Einraumetagen und den schlanken Seitentürmchen mit WC's darin. Man wird auch über die ästhetischen Qualitäten der Wohnbauten streiten, die Oswald Mathias Ungers am Lützowplatz errichtete, steif gerasterte, trockene Giebelarchitektur gegenüber einer heiter bunten, postmodern bewegten Reihe von Häusern Mario Bottas, Vittorio Gregottis, Peter Cooks, Axel Schultes. Doch die Idee, in der Innenstadt nicht nur einfach Appartements übereinander zu stapeln, sondern ihnen kleine Gärten zu geben - die ist auch heute noch innovativ. Ähnliches entstand an der Friedrichstraße unter der Oberleitung von Rem Koolhaas, damals, als er noch nicht die Städte revolutionieren wollte, sondern an die Menschen in ihnen dachte.Oder das so ganz anders geartete, fast barock geschwungene Projekt des Architektenpaars Baller vom Fraenkelufer: Auch wenn man sich weiter über die ästhetischen Anleihen beim Jugendstil und bei anthroposophischen Ideen streiten kann, mit ihren organisch geformten, ganz auf zentrale Wohnküchen und große, muschelartig aufgewölbte Balkone ausgerichteten Grundrissen wirken diese Häuser immer noch neu und frisch - hier erlebte in ganz neuer Form die legendäre Allraumwohung Alvar Aaltos aus dessen Haus im Hansav iertel von 1957 eine gefeierte Neuinterpretation.Und wo, fragt man sich beim Durchblättern heutiger Prospekte und Anzeigen, die für bürgerbestimmtes Bauen werben, ist eigentlich die Anregung geblieben, tatsächlich selbst zu bauen und nicht nur einen Architekten zu beauftragen? An der Admiralstraße wurde zur IBA ein solches, dänischen Vorbildern folgendes Projekt realisiert, ein Stahlbetonskelett, dass die Bewohner weitgehend selbst ausbauten, mit erheblichen Preissenkungen. Reihenhäuser, übereinandergestapelt, mit großen Terrassen und Balkonen, familiengerechtes Wohnen in der Innenstadt, billiger Selbstausbau - all das sind Modelle, wie sie Berlin auch heute noch benötigt. Wie viel städtischer sind diese oft als postmodern verachteten, aber hochverdichteten Bauten als die angesichts ihres Flächenverbrauchs lächerlich unterbevölkerten Townhouses, die derzeit vom Senat so gefördert werden, weil sie scheinbar keine Kosten für die öffentliche Hand bedeuten. Viele Menschen gut und in der Innenstadt behausen, sollte aber das Ziel sein, auch aus ökologischen Gründen.Niemals wurde über die Verbindung von Ökologie und Stadtumbau, über das gemeinsame Leben von Familien, Alten und Jungen, Einwanderer und Deutschen, Reichen, der Mittelklasse und Armen so viel debattiert wie zu IBA-Zeiten. Das Berlin bisher nicht das Schicksal von London oder Paris teilt, unbezahlbar zu sein in der Innenstadt und die Armen in konfktreiche Vorstädte abzudrängen, das hat sicher auch etwas zu tun mit der wirtschaftlichen Misere der Stadt. Wohnraum ist immer noch extrem billig. Aber ein Grund ist eben auch, dass hier seit drei Jahrzehnten daran gearbeitet wird, die alte soziale, ökonomische und kulturelle Durchmischung der europäischen Stadt weiter leben zu lassen.------------------------------Foto (7) :Eines der berühmtesten Sanierungsgebiete Berlins, der Chamissoplatz, zeigte, welche Pracht der Historismus hat und wie gut man in in den verachteten Mietskasernen leben kann.Auch die Moderne braucht Intimität: Rob Kriers Bebauung an der Ritter- straße erinnert an Schinkel.Nur wenn genug Menschen zusammen kommen, kann es ein Café geben: Stadt lebt von Dichte und Geschichte. Am Chamissoplatz.Manches IBA- Projekt ist ein Mauer-Denkmal: Unfinanzierbar wäre heute eine so luftige Bebauung wie an der Zimmerstraße.Auch Verbindungsgänge konnten in der Postmoderne zum ästhetischen Spielzeug werden, wie bei den Häusern an der Kochstraße von Peter Faller, Christian Muschalk und Hermann Schröder.Nett sein wolle der Niederländer Rem Koolhaas nie zu den Nutzern seiner Häuser. Deswegen eignen sie sich so glänzend für coole metropolitane Selbstinszenierungen: der Laubengang seines Hauses an der Friedrichstraße.Erst als die Berlinische Galerie ihr "Glaslager" bezog, wurde diese Rückfassade der Bebauung an der Lindenstraße zum Teil einer Kunstinstallation.